Shygirl – Nymph

ElectronicHipHop/Rap, Oktober 2022
Die Originalität von NYMPH richtig zu dekonstruieren, würde bedeuten, ein ganzes Buch zu schreiben. SHYGIRL hat ein Projekt geschaffen, das nach Aufmerksamkeit schreit.

Das Debütalbum der Londoner Künstlerin Shygirl ist eine kompromisslose, intime Enthüllung einer Künstlerin, die zuvor durch eine einzige Linse gesehen wurde. Erstellt mit Shygirl’s eng verbundener Gruppe von Freunden und früheren Mitarbeitern und Produzenten, darunter Mura Masa und Danny L Harle, entmystifiziert die 29-Jährige die Erzählung um sie herum und präsentiert eine unglaublich mutige, lautstarke und selbstbewusste Person. Blane Muise ist eine der aufregendsten Stimmen in der experimentellen Clubmusik, seit sie 2016 ihre Debütsingle „Want More“ in die Welt entsendete. Seitdem hat die Londoner Singer-Songwriterin und Rapperin einen stetigen Strom von EPs veröffentlicht. Oft heben ihre Songs ihren schwülen Sprechgesang hervor, der ihre sexuellen Wünsche explizit beschreibt, während House, Hip-Hop, Bassline-Rhythmen und mehr eine stimmungsvolle industrielle Behandlung erhalten.

Shygirl verkörpert die mythische Waldkreatur, der das Album seinen Namen verdankt und offenbart in 12 aufwändig gestalteten Tracks eine sanftere Seite. Das eröffnende Stück „Woe“ beginnt mit ätherischen Synthesizern unter sanften Drumpads und rollenden Klackern, über die Shygirl „I don’t have no friends with me / no best friends“ singt. Seltsame Klangkreaturen tauchen auch aus den Tiefen von „Come for Me“ auf, einem mutierten Reggaeton-Stepper, der von Arca produziert wurde. „Coochie“ (eine Gute-Nacht-Geschichte) ist eine seltsame Ode (über du-weißt-schon-was) mit einem Trap-Beat und Melodien, die an der Hook ihren Höhepunkt erreichen. „Poison“ ist eine champagnergetränkte Bloghouse-Hymne über eine giftige Beziehung, vollgestopft mit einer rauen Akkordeon-Hook und clubtauglichen Bass-Zermalmungen. 

„Missin U“, ein unheimliches Rap-Zwischenspiel über Eifersucht, schneidet wie das Messer in einen fallen gelassenen Liebhaber. Hier geht Shygirl in den vollen Rachemodus. Auf „Firefly“, dem Highlight des Albums, sind ihre Gesänge so gut in Kingdom’s Vape-y-Produktion eingeflossen, dass seine Prägung, obwohl immer noch zu hören, verborgen bleibt. Hier singt sie mit der Stimmung einer Frau, die auf einem schnellen Pferd reitet, befreit von der Desillusionierung einer zerbrochenen Beziehung (It’s been so nice to pretend we were together again/I’m a dumm and I know“). Von allen Songs ist „Firefly“ der hellste und durchscheinendste, der mit seinen druckvollen Beats und digital veränderten Akkorden wirklich wie eine Naturgewalt fließt. 

„Nymph“ erweist sich als eine herrlich berauschende Myriade von Melodien und Emotionen, die Shygirl’s verletzlichere Seite zeigen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass sich das Warten gelohnt hat.

8.1