Sheryl Crow – Evolution

Rock, VÖ: April 2024
SHERYL CROW gab an, dass sie kein komplettes neues Werk veröffentlichen würde, aber mit EVOLUTION hat man das Gefühl, dass es sich um ein Album handelt, das sie unbedingt machen wollte.

Im Jahr 2019 gab Sheryl Crow ihren Rücktritt als Künstlerin bekannt. Ihr letztes Album sollte „Threads“ sein, eine genreübergreifende Platte mit einer Vielzahl von Gaststars, darunter Sting, Keith Richards, Stevie Nicks, Chuck D und St. Vincent. Es war eine ehrgeizige Abschiedsübung, die eine beeindruckende 30-jährige Karriere besiegeln sollte. Doch Sheryl Crow befand offensichtlich, wie James Brown, Frank Sinatra und sogar James Murphy, den Ruhestand nicht ganz nach ihrem Geschmack. Und nachdem sie ihren eigenen Rat befolgt und entschieden hat, dass eine Veränderung ihr gut tun könnte, haben wir jetzt „Evolution“, Crow’s zwölftes Studioalbum.

Man darf jedoch nichts allzu völlig anderes erwarten – „Evolution“ knüpft dort an, wo „Threads“ aufgehört hat, und ist ein solides Album mit Pop-Rock-Songs, nur dieses Mal ohne die Liste prominenter Freunde. Das Problem ist, dass nichts bei „Evolution“ mit ihrer besten Arbeit mithalten kann. Ganz gleich, ob Crow sich der Midtempo-Rock-Bohème von „You Can’t Change the Weather“ hingibt oder sich in der groovigen R&B-Psychedelia von „Love Life“ verliert, sie beweist, dass sie eine musikalische Jederfrau ist, die in der Lage ist, von bekannten Konventionen zu umfassenderen Experimenten zu wechseln.

Letzterer Punkt kommt beim eröffnenden Track und der ersten Single „Alarm Clock“ besonders deutlich zum Ausdruck, einem kraftvollen Schuss Old-School-New-Wave, einem noch unerschlossenen Genre in ihrem umfangreichen Repertoire. Der abgerundete Sound auf „Evolution“ wird an „100 Miles from Memphis“ (2010), „Wildflower“ (2005) und „Sheryl Crow“ (1996) erinnern, ohne jedoch wie eine schamlose Wiederholung zu wirken. An „Evolution“ ist grundsätzlich nichts auszusetzen, aber es hört sich am Ende doch meist so an, als wäre es größtenteils auf Autopilot geschrieben worden. 

Es ist immer schön, eine Musikerin von Crow’s Kaliber noch/wieder unter uns zu wissen, aber „Evolution“ fühlt sich eher wie eine unwesentliche Ergänzung ihres Kanons an und nicht wie das glorreiche Comeback, das es zweifellos sein sollte.

6.8