Shelby Lynne – Suit Yourself

Country, VÖ: Mai 2005
Nach einem holprigen Start in ihre Karriere zeigt SUIT YOURSELF, dass SHELBY LYNNE wieder richtig Fahrt aufnimmt und dass es von nun an kein Zurück mehr gibt.

Shelby Lynne hat in den letzten etwa 15 Jahren eine eher auf und ab verlaufende Karriere hinter sich, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass sie sich weigerte, sich in irgendeiner Weise in eine Schublade stecken zu lassen. Seit ihrem ersten Album „Stardust“ im Jahr 1989 wechselte sie vom traditionellen Country zur Jazz-, AOR-Rock-, Blues- und Roots-Musik. Erst als im Jahr 2000 das für den Grammy nominierte Album „I Am Shelby Lynne“ veröffentlicht wurde, erlangte sie endlich die Anerkennung und die Plattenverkäufe, die ihr gebührten. In typisch gegensätzlicher Weise wurde der Nachfolger „Love Shelby“ jedoch durch einen aufgemotzten Produktionsstil behindert und erst mit „Identity Crisis“ aus dem Jahr 2003 fand sie wieder Fuß.

Seit ihrem Columbia-Records-Debüt schreibt und singt sie Lieder, die versuchen, unter die Oberfläche zu gehen und etwas von der Wildheit, Mehrdeutigkeit und emotionalen Tiefe zu vermitteln, die in der Struktur ihrer Stimme steckt. „Suit Yourself“ ist ein selbstproduziertes, lockeres, organisches Set aus zwölf neuen Songs, zehn davon Originale. “Suit Yourself“ ist intim. Lynne’s Original-Gesangs- und Gitarren-Demos wurden zu Hause und in Nashville aufgenommen und für einen Teil des Albums verwendet. Den Rest nahm sie auf, während ihre Band die Nashville-Tracks live vom Parkett aus spielte. 

Zu dieser Band gehören Brian Harrison am Bass; Benmont Tench von den Heartbreakers am Keyboards, Pedal Steel und Mandoline; Dobro-Chef Robby Turner; Gitarrist Michael Ward; Bryan Owings am Schlagzeug und der legendäre Swamp-Rock-Gitarrist und Songwriter Tony Joe White. Das Gefühl dieser Lieder ist ruhig, locker, entspannt und sehr unmittelbar. Geräusche von klirrendem Eis in Gläsern, private Gespräche, Sitzungsanweisungen, Ermutigungen und alle Arten von Flüstern und Gelächter schlängeln sich hier durch die Grooves – aber diese informellen Momente, die außerhalb der Songs zu existieren scheinen, prägen sie am meisten.

„Suit Yourself“ wird als eine enge Zusammenarbeit zwischen Lynne (die auf dem gesamten Album Gitarre spielt) und der Combo dargestellt. Sie leisten hervorragende Arbeit und bieten Lynne’s Stimme und Liedern elegante, schnörkellose (wenn auch unauffällige) Country-Soul-Unterstützung. Das Album endet mit dem seltsam betitelten „Track 12“, der sich als wunderbare, entspannte Interpretation von Gladys Knights „Rainy Night In Georgia“ herausstellt. Anders als der Titel des Albums letztlich vermuten ließ, handelte es sich um eine fokussierte, konsistente Platte mit einem rauen und fertigen Produktionssound, der ihr bis ins kleinste Detail passte.

7.7