Shelby Lynne – Revelation Road

Country, VÖ: Oktober 2011
Der Klangmix ist kristallklar und detailliert, erweitert jedoch SHELBY LYNNEs gefühlvolle und dennoch beruhigende Stimme auf einer synthetischen Klangbühne. Dennoch strahlen ihre Ehrlichkeit und Zärtlichkeit eine verblüffende Intimität aus.

Was tun mit Shelby Lynne? Mit ihrem Sunset-Alt, ihrer stürmischen Karriere-Unabhängigkeit und ihren gefühlvollen Country-Songs wirkt Lynne manchmal wie eine schelmische Einzelgängerin aus der Besetzung von Coyote Ugly. „Revelation Road“, ihr drittes selbstproduziertes und selbstveröffentlichtes Album in weniger als zwei Jahren, ist durchzogen von süß-salzigem Americana, trotz Lynne’s Tendenz, sich bedenklich dem kommerziellen Jordache-Territorium zu nähern. Die in Virginia geborene Lynne scheint sich nicht auf einen Platz für ihre beträchtlichen stimmlichen Talente festlegen zu können. Seit sie vor einem Jahrzehnt dem Produktionsband von Nashville entkommen ist, hat sie sich in den Rollen der Americana-Songwriterin und Rock-Künstlerin versucht und eine Hommage an Dusty Springfield aufgenommen. 

Auf „Revelation Road“ ist sie minimalistisch und akustisch geworden. Die meisten Songs dokumentieren den Schmerz verlorener Liebe und schwanken zwischen Southern Soul („Even Angels“) und MOR-Country („The Thief“). Es ist eine Sammlung, die wie ein Ganzes klingt: eine Reihe von Liedern, die sanft zu einem Höhepunkt voranschreiten. Lynne’s Nicht-Virtuosenstatus an Gitarre, Percussion und einigen Keyboards ist ein Pluspunkt für diese ruhige und sehr schön klingende Sammlung. Die meisten Stücke konzentrieren sich eher auf einen gedämpften „Americana“-Sound, der sich nicht davor scheut, üppige Backing-Vocals („Toss It All Aside“) oder jazzige synkopierte Gitarrenbegleitung zu verwenden. 

Shelby Lynne vermischt so viele unterschiedliche Klänge – Rock, Jazz und Soul, auch wenn sie immer noch hauptsächlich Country-Sängerin ist – dass man erwarten würde, dass sie irgendwie zerstreut klingt. Aber die Geschichten, die sie erzählt, wirken wie Hämmer auf die Spitze eines Nagels.

7.9