Shannon Lay – Living Water

Folk, VÖ: September 2017
SHANNON LAY hat die lokale Szene in Los Angeles in den letzten zwei Jahren dominiert und hat jeder, die Zeugin wurde, den Atem verschlagen.

Aufgenommen von Emmet Kelly (Cairo Gang, Bonnie Prince Billy, Ty Segall) in seinem Heimstudio in Los Angeles, ist dies ein Album, auf dem hören kann, wie der Raum auf die Musik reagiert, die um uns herum Gestalt annimmt. Shannon Lay hat eine Stimme, die Zeit und Raum transzendiert. Man kann nicht sagen, ob sie alt oder neu ist, ob sie neben einem sitzt, auf einem Berggipfel oder unten in einer Schlucht. Auf Shannon’s bemerkenswertem „Living Water“, einem ruhigen, überwiegend akustischen Album, das größer und seltsamer ist, als es seine gedämpfte Dynamik und sein mit Fingern gezupftes Funkeln vermuten lassen, regiert eine unverblümte Mystik Himmel und Erde.

Der Sound von Lay ist keine neue Idee. Wir können Affinitäten zu einer Reihe akustisch gefärbter Projekte der letzten Jahre hören – Julie Byrne, Big Thief, Angel Olsen, sowie eine breite Palette kanonischer Singer-Songwriter: Elliott Smith, Karen Dalton, Nico, Nick Erpel. Lay spielt auch in einer Garage-Punk-Band, Feels, aber hier gibt es kein Echo ihrer verschwommenen Wildheit. Solo singt sie sanfte, oft melancholische Lieder, begleitet von ihrer eigenen Akustikgitarre; Einige Songs auf „Living Water“ enthalten Violine und Cello, und es gibt Hinweise auf Standup-Bass in der Mischung. Aber ihre fesselnde Musik ist auf eine Weise unverwechselbar, die schwer zu fassen ist.

Wie der Titel schon sagt, ist „Living Water“ eine flüssige und weitläufige Platte, die sich für spärliche, dynamische Arrangements entscheidet. Das macht die Details umso süßer – die quietschende Geige im Eröffnungstrack „Home“ eifert um die Kunst der Zuhörerinnen mit Lay’s Gesangsmelodie, während der leichte Fetzen von „Coast“ auf ein Chaos anspielt, das unter der mohnigen Oberfläche brodelt. Die Songs sind ruhig und melancholisch, aber niemals traurig. In „The Moon’s Detriment“ wendet sich Shannon an einen Liebhaber oder Freund und setzt uns in eine friedliche Szene: „Sleep light as the dreams float by and I know the song so well, set to the sun andbury underground.“

Wie ein Spätsommerhimmel in der Farbe von Rotkehlchen-Eiern verbirgt die äußerliche Schlichtheit des Albums die Weite dessen, was dahinter liegt.

7.9