Shana Cleveland – Night of the Worm Moon

Folk, VÖ: April 2019
NIGHT OF THE WORM MOON ist großartig anzuhören und viel mehr als ein praktischer Zwischenstopp zwischen den Alben von La Luz. Mit ihren Zeichnungen, Kurzgeschichten und ihrer Musik etabliert sich SHANA CLEVELAND als eine der interessantesten und unverwechselbarsten Stimmen Amerikas.

Shana Cleveland verzaubert uns seit Jahren in ihrer Rolle als Frontfrau der elastischen Surf-Rockerinnen La Luz. Jetzt entwickelt Cleveland ihren Sound auf dem neuen Solo-Album „Night of the Worm Moon“ weiter – einem ruhigen Album, das wie eine warme Strömung fließt und gleichzeitig ein Portal zu einer anderen Dimension öffnet. Shana Cleveland’s neues Album (dessen Titel eine Hommage an The Night of the Purple Moon des experimentellen Musikers Sun Ra ist) wurde zum Teil durch den Umzug der Künstlerin aus Seattle nach Südkalifornien – ein für sie surreales Zuhause – inspiriert. „I’ve always been here / Stuck inside the wall / I watch you breathe / You never disturbed me at all“, intoniert sie im Titeltrack und erinnert damit an Charlotte Perkins Gilman’s berühmte Kurzgeschichte The Yellow Wallpaper. 

Aber trotz der definitiven Science-Fiction-Inspiration, die das ganze Album durchzieht, hat „Night of the Worm Moon“ auch eine Gothic-Qualität. Wenn die Autorin Shirley Jackson – bekannt für ihre beunruhigende Geschichte The Lottery und The Haunting of Hill House (die man wahrscheinlich von Netflix kennt) – Musik gemacht hätte, würde es vielleicht ein bisschen so klingen wie das hier. Beschwörende Bilder verstärken die Textur von Cleveland’s bereits reich melodischen Songs. Bei summender Gitarre beschreibt sie in „The Fireball“, wie „Into the pepper tree / A bluebird disappears / In little leaves, the branches twisting in midair“. Beim eröffnenden Stück „Don’t Let Me Sleep“ beschwört sie Bilder eines unausweichlichen Alptraums herauf und singt seidig „Trying to get out / But I can’t find the way / I’ve made a mistake / Don’t let me sleep too late.“ 

Die Texte sind zart und gut gewählt, weben immer eine Art mysteriöse Geschichte, die wir nicht ganz verstehen, von der wir aber mehr hören wollen. „Night of the Worm Moon“ enthält zwei Instrumentalstücke: „Castle Milk“ und „Solar Creep“. Ersteres ähnelt einem Gitarrensolo in Form eines ausgedehnten, rollenden Fingerzupfmusters mit Laserpräzision. Ähnlich wie beim Rest der Platte gleiten absichtliche Finger hörbar über die Saiten, was zu einem authentischen Klang führt, der die außergewöhnliche Genauigkeit der Darbietung begleitet. Ein gestrichener Kontrabass sorgt für ein leises Rumpeln, das bei Songs wie „Invisible When the Sun Leaves“ die Intensität beibehält. Die Tiefe dieser Basslinie lässt das ätherische Synth-artige Heulen über der Zwei-Akkord-Chorus-Struktur dieses Songs an die Oberfläche schäumen.

„Night of the Worm Moon“ ist eines dieser Alben, die einem mit jedem Hören mehr ans Herz wachsen. Die Songs gedeihen und verwandeln sich in tiefe und kathartische Erfahrungen, während die Texte voller goldener Aussagen und Gedanken über die Welt um uns herum sind. Shana Cleveland hat ein außergewöhnliches Album gemacht. Wer nach einer sanften psychedelischen Hippie-Folk-Singer-Songwriterin sucht, dem sei ein Ausflug zum Wurmmond wärmstens empfehlen.

8.0