Sepalcure – Sepalcure

Electronic, September 2011

Praveen Sharma und Travis Stewart von Sepalcure zersplittern auf Ihrem gleichnamigen Album Dubstep und Bass-Musik, rekombinieren diese und beleben Ihre Dynamiken durch entwaffnende Umarmungen aus britischer Vergangenheit und aktuellen Kuriositäten. Darunter zählen zum Beispiel 2-step, grime, jungle, footwork, ambient recline, big-eyed rave und house. Sepalcure leben als kollektiv, wie auch in Trennung, vermischen all diese Klangfarben und Sub-Sub-Genres in eine körperlich und emotional betörende Tanzmusik. ‚ Me ‚ steigert sich zu einem frenetischen Drum & Bass-Geklapper in verschwommenen, melodischen Tönen und hyperkinetischer Soul-Musik, während die erste Single ‚ Pencil Pimp ‚ mit seinen kindlichen Vocals in schneller Wiederholung gegen fluoreszierende Synths und nervös juckende Rhythmen klopft. ‚ The One ‚ bleibt zwar im Anschluss schön genug, erreicht aber nicht die faszinierende Leichtigkeit der lebhaften Drum-Tracks zu Beginn der Platte. Generell leidet interessanterweise auch ‚ Sepalcure ‚ unter dem gleichen Problem wie Room(s). Die unscharfen Texturen, wechselnden Rhythmen und stechenden Stimmen betören in den ersten Minuten unsere Sinne – doch auf die gesamte Albumlänge gesehen, bleiben es homogene Erschütterungen auf einer langgezogenen Unschärfe. Es soll natürlich nicht bedeuten, das Album wäre übermäßig schlecht – davon sind wir hier weit entfernt. Doch die eher höfliche Musik tritt fast unbewusst über die gesamte Spielzeit von knapp einer Stunde in den nebeligen Hintergrund. Das abschließende Stück ‚ Outside ‚ entführt uns nochmals in überhöhte Gesänge und schleppende, unvorhersehbare rhythmische Verschiebungen. Am Ende ist ‚ Sepalcure ‚ wie ein Spiegel vor dem aktuellen Stand der Post-Dubstep-Musik. Es ist oft phantastisch, gewichtig, clever und emotional aufwühlend, aber auf der anderen Seite seltsam höflich und prinzipiell fehlt beständig das Gefühl der allgemeinen Zusammengehörigkeit.

7.9