Sawoff Shotgun – For Our Sanity

ElectronicPopSynth Pop, April 2011

Sawoff Shotgun klingt wie ein russischer Name, ist jedoch österreichische Musik. Ein Musik die ich das erste Mal auf ‘ Kids On Coke ’ inklusive Kinderchor hören durfte. Es ist zugleich ein ironischer Kommentar auf den Whizz-Kid-Wahnsinn an der Wallstreet, wurde von Waldorf-Schülern gesungen, um auch hier dialektisch zu torpedieren. Zu hören gibt es in den 3:06 Minuten folgendes: pochende Beats, drückende Synthies, wummernde Bässe und eine wunderschöne weitläufige Atmosphäre in sanfter Melancholie des Trios um Sawoff Shotgun. Das erste Album ‚ Never mind the Botox ‚ wurde 2009 veröffentlicht und seitdem hat sich im Leben von Susanne, Sonia und Monica so einiges getan: Zahlreiche Gigs folgen, Amadeus-Award Nominierungen, FM4 Tours. Der Opener ‚ Feet Not Inches ‚ beginnt zwischen knarzenden Synthies, eingängigen Refrains und auch sanfte Anlehnungen zu Frittenbude, Egotronic und Saalschutz lösen sich zwischen den Strophen. Der Stil bleibt jedoch eigenständig und beweist das mit dem zweiten Stück ‚ Go Commando ‚ und seinen verspielten Melodien.

Dazu ist das Ziel klar vorgegeben, einen Blick zurück gibt es nicht und so hüpfen wir gemeinsam mit poppigen Electro-Melodien und feinen Club-Sounds durch eine aufregende Partynacht, der zu meiner Freude auch mit ‚ Namedrops ‚ nichts an Ihrer furiosen Mischung genommen wird. Fast schon überheblich verzichten Sawoff Shotgun hier auf einen brechenden Refrain und verbleiben in der Andeutung darüber. Eine Pause gönnen sich die Mädels im Stück ‚ Not Much For A Dancer ‚ und ‚ My Fresh Dress ‚ ist ein spannendes Experiment geworden, welches allerdings mehr in die Kategorie sinnfrei fällt. ‚ The Black Box Of Our Love ‚ versumpft kurz darauf im Strudel der 80er Jahre, verliert die Bodenhaftung und scheint im Allgemeinen an Orientierungslosigkeit zu leiden. Nach den letzten Tracks und dem starken Beginn hofft man im Geheimen auf Besserung: ‚ We Are The Cleanest Girls ‚ klingt wie der reduzierte Ausdruck zu ‚ Coin Operated Boy ‚ der Dresden Dolls.

‚ Teenage Boy ‚ greift nach den Synthies, spielt mit Toy-Pianos und zeigt den ersten kleinen Lichtblick nach der langen Durststrecke. ‚ A Regular Basis ‚ eröffnet zwar mit tanzenden Melodien, doch vermisst man auch hier ein wenig den Blick für tiefgreifende Rhythmen und Lyrics. So bleibt der zweiten Platte ‚ For Our Sanity ‚ der Schwestern von Sawoff Shotgun eine zweite gute Hälfte verwehrt und einzig das phantastische ‚ Lip My Stockings ‚ im LeTamTam Remix versteht nochmals die Kreativität und das Potential der Mädels voll auszufahren. Alles weitere in dieser zweiten Hälfte wirkt dagegen sehr verblassend und kann leider auch nicht die herausstechenden Momente der anfänglichen Minuten auf einen relativierten Wert zurücksetzen.

6.7