Santigold – I Don’t Want: The Gold Fire Sessions

Indie Pop, Juli 2018
Die Herangehensweise von SANTIGOLD an eine Karriere in der Musikindustrie priorisiert coole und kreative Freiheit als die wertvollsten Güter und stellt diese über kommerziellen Erfolg.

Nur wenige Künstlerinnen könnten ein zehnspuriges Mixtape abliefern, das durch mehrere stilistische Territorien wirbelt, ohne sich von Erwartungen einschränken zu lassen. „I Don’t Want: The Gold Fire Sessions“ beweist, dass Santi White bei all ihrem Erfolg eine stark unterschätzte Quelle musikalischer Inspiration ist. Santigold hat eine immer unbeschwerte und freche Stimme, ein Mezzosopran-Zwitschern, das in einem früheren Jahrzehnt zu Hause gewesen sein könnte, um Bubblegum-Pop-Liedchen im AM-Radio zu produzieren. Sie mag immer noch Grundmuster, nur drei oder vier Akkorde, die auf Doo-Wop und klassisches Reggae-Songwriting zurückgehen. Aber Ms. White, die 2008 ihr erstes Soloalbum veröffentlichte, hat sich einer Agenda des 21. Jahrhunderts verschrieben: Autonomie, Exzentrizität, Spaß, Sinnlichkeit, Kritik an Macht, Geld und Online-Kultur werden in Melodien verpackt, die so prägnant sind, dass Kinder auf einem Spielplatz sie mitsingen könnten.

„Coo Coo Coo“ eröffnet das Album, ein Liedchen über unerwünschte männliche Aufmerksamkeit, das einen wehmütigen Anflug hat, während Santigold über die Art von Aufmerksamkeit nachdenkt, die sie wirklich sucht (“I just want some real love, just like on TV / nobody ever, walking by, really looks at me”), und die Produktion fügt dem Ohrwurm einen Mumbahton-Bounce hinzu. „Wha’ You Feel Like“ hingegen ist ein heftigerer Track mit druckvoller Percussion und sexuellen Andeutungen, und „Crashing Your Party“ platziert Texte des politisches Engagement über einem süßen Beat im Reggae-Stil. Obwohl es durchweg endlos Spaß macht, besucht Santigold’s Ästhetik das Reich des afrokaribisch inspirierten Pop, der typischerweise von Rihanna und Gwen Stefani dominiert wird und gelegentlich von Kontroversen durchsetzt ist, wenn große Rap-Acts sich bis zum Rand der Karikatur an Riddim und der Mundart der Inselkultur bedienen.

Die Sache auf dieser Platte ist jedoch der Inhalt. Ein auf den Sommer ausgerichtetes Mixtape überraschend zu veröffentlichen und es trotzdem zu schaffen, es sozial und politisch relevant zu machen, ist eine ziemliche Leistung. „I Don’t Want: The Gold Fire Sessions“ ist ein Juwel, ein energiegeladenes Album voller Hooks, das die Hörerin und den Hörer nach mehr verlangen lässt.

8.0