Rihanna – Unapologetic

Es dauert einen halben Vers, bis RIHANNA ihren ersten „Fick“ ausspuckt und weniger Zeit, um zu erkennen, dass es diese Frau aus Barbados ernst meint. Ihr siebtes Album in sieben Jahren besteht nur aus dreckigen Texten und krachenden Dubstep-Drops.

2012 liefert Rihanna pünktlich ihr viertes November-Album ab. Mit der ersten Single ging die Sängerin einen anderen Weg. Sie passte nicht zu einer dramatischen Ballade wie „Russian Roulette“ oder einer großen Tanznummer wie „Only Girl (In the World)“ und „We Found Love“. Stattdessen machte sie sich an eine Midtempo-Pop-Ballade, „Diamonds“ – wie in „We’re like diamonds in the sky“, eine einfache und effektive, leichte Ballade, aber massiv im Klang. Quasi-Prozession. Selbst mit dieser Tempoänderung war die Möglichkeit, dass sie damit eine allgemeine Richtungsänderung signalisierte, gering. „Unapologetic“ ist nicht nur genauso abwechslungsreich wie Rihanna’s vergangene Alben – es ist eine weitere zeitgemäße Auffrischung zeitgenössischer Popmusik, randvoll gefüllt mit Sex.

Das Duett von Chris Brown, „Nobody’s Business“, ist unweigerlich die zentrale Attraktion dieses Albums. Es ist eine wunderbar leichte Reminiszenz an das Piano House der späten 80er Jahre; aber seine Texte geben dem Hörer das Gefühl, ein Eindringling zu sein. “You’ll always be the one that I wanna come home to,” singt Rihanna und marschiert weiter den Gang entlang, gefangen in Brown’s gurrender Antwort. Es ist nicht neu für Musikerinnen, Lieder über missbräuchliche Beziehungen zu schreiben. Aber vielleicht ist es neu, dass Songwriter speziell für diese Aufgabe beauftragt werden. Bei „What Now“ wirft Rihanna einen Blick in den Spiegel und sagt uns, dass sie nicht weinen kann. 

Eine mutige Produktion verbirgt etwas von dem schlechten Geschmack – aber Zeilen wie „Like a bullet your love hit me to the core / I was flying ‚til you klopf me to the floor“ von „No Love Allowed“ sind unangenehm zwischen wahrer Liebe und Peinlichkeit ausbalanciert. Und die Mischung der Emotionen in „Unapologetic“ passt einfach nicht. Auf „Jump“ predigt sie, dass sie ihren Ex nicht verfolgen wird; vielleicht hemmen das Ginuwine-Sample und die Bässe des Duos von Chase & Status ihre Überzeugung. Der Kontext und der Groll sind durchweg nicht zu erschüttern – aber zumindest gibt es Klarheit zwischen Rihanna’s Widerstand auf den Clubtracks und der schweren Traurigkeit in den Balladen.

Vielleicht ist „Unapologetic“ ein Beweis dafür, dass Popmusik die Traurigkeit des wirklichen Lebens nicht scheuen sollte. Aber realistischer erscheint, dass „Unapologetic“ Rihanna als ein menschliches Wesen positionieren möchte, das kopfüber in einen Zusammenbruch gezerrt wird und ihn am Ende irgendwie überlebt.

6.7