Rihanna – A Girl Like Me

PopReggae, April 2006
Nur acht Monate nach der Veröffentlichung ihres Debüts kehrt RIHANNA mit A GIRL LIKE ME zurück, einer Platte, die auf sonnigen Dancehall/Dub-Pop, Hip-Hop-infizierten Club-Knallern und überschwänglichen, auf Erwachsene ausgerichtete Balladen baut.

Der riesige Dancehall-Pop-Hit „Pon De Replay“ der in Barbados geborenen Emigrantin Rihanna war letztes Jahr versiert und sexy, und ihr neuer Hit „SOS“ ist es noch mehr. Rihanna singt eine schlangenhafte Destiny’s Child-artige Melodie um Synth-Riffs und Maschinenbeats aus Soft Cell’s Achtzigerjahre-Klassiker „Tainted Love“ und beweist, dass Amerika immer noch cleveren Pop schätzt, wenn es ihn hört. Leider kann nichts anderes auf „A Girl Like Me“ die Kühnheit von „SOS“ erreichen, was zusammen mit Cascada’s „Everytime We Touch“ beweist, dass Tanzmusik vielleicht doch noch nicht „over“ ist und mit Sicherheit zu den bisher besten Singles des Jahres gehört. 

Vergleichsweise klebrige und rückgratlose, langsame Nummern wie „Final Goodbye“ und „A Million Miles Away“ machen den Schwung des Albums zunichte. Obwohl die Texte auf diesem Album nicht unbedingt tiefgründig sind, sind sie ehrlich. Wenn ein Mädchen tanzen will, will ein Mädchen tanzen („Break It Off“). Wenn ein Mädchen einen Jungen ganz für sich alleine haben will („Selfish Girl“), warum sollte man es dann verstecken? Die melodramatische, streichergeladene Ballade „Unfaithful“ ist dagegen eine wenig ambitionierte zweite Single für eine Künstlerin wie Rihanna, mit Texten wie “I don’t want to be a murderer/Our love, his trust/I might as well take a gun and put it to his head“. 

Die Aufnahme der obligatorischen Balladen ist zwar bedauerlich, aber erträglich. Auf jeden Fall hat Rihanna viel Zeit, um eventuelle Knicke auf zukünftigen Alben auszugleichen. Warum also schwitzen? Im Moment ist „A Girl Like Me“ ein großartiges Werk einer Sängerin mit enormen Potenzial.

6.7