Remi Wolf – Juno

Pop, Oktober 2021
JUNO, das Debütalbum von REMI WOLF, ist eine Odyssee durch eine Welt voller Kuriositäten, die traditionelle Strukturen mit experimentellen Melodien und Funk kombinieren.

In einem kürzlichen Interview erzählte Remi Wolf, dass sie dazu neigt, sehr instinktiv zu handeln und mehr ihrem Körper als ihrem Gehirn zu folgen. “If my mouth is saying something, like a syllable or consonant, I will follow what my body wants to sing before I’ll follow what my brain wants to say,” erklärt sie. „Juno“ heißt das Debütalbum dazu und platzt aus allen Nähten vor poppigen Eigenheiten, dreizehn Tracks kontrollierten Chaos. Es ist schwer von Electronic und mehrschichtigen Harmonien geprägt. Man sollte sich jedoch nicht vom klanglichen Erfindungsreichtum und dem lyrischen Abenteuer in „Juno“ ablenken lassen – es ist teils Selbstreflexion, teils psychedelischer Tagtraum und teils ein hyperrealistischer Indie-Film, der in Los Angeles spielt. 

Der erste Track, „Liquor Store“, zieht uns mit seinem Treiben am Meer in seinen Bann, versprüht herzerwärmende Gefühle und ist gleichzeitig faszinierend genug, um für den Rest des Albums Aufregung auszulösen. Die Reise von „Juno“ lässt uns nie im Stich, denn die Fähigkeit, Fans die Songs schreiend vorsingen zu lassen, wird zu einem offensichtlichen Merkmal des Albums. Das bedeutet jedoch nicht, dass Wolf davor zurückschreckt, eine emotionalere Seite zu zeigen. In „Buzz Me In“ schildert sie die Geschichte einer komplizierten Beziehung und singt: “My tears taste like you – taste just like salt and wine – like wasted time”, während „Wyd“ ein eher ablenkendes, aber zu Recht wütendes Gefühl anspricht. “Bite down in my French baguette, eat cheese, pray and just forget – And fly away from all the pain, confusing love for fame – Don’t wanna hear my name to feel better”.

Das Album pendelt sich von seinem Technicolor-Angriff in der zweiten Hälfte zu einer sanfteren Fahrt ein und schwankt statt zu galoppieren. „Anthony Kiedis“ und „Sexy Villain“ sind mit Remi’s symbolischen Popkultur-Spitzen beladen, die manchmal anmaßend sind und ihr vollständiges Eintauchen in die umgebende Kulturlandschaft betonen. Die Kulisse der Stadt Los Angeles, die Wolf als ihre Stadt bezeichnet, ist auf der gesamten Platte spürbar. Bei all seiner futuristischen Energie gibt es jedoch immer noch viel Pop-Zugänglichkeit. Remi Wolf spielt auf „Juno“ in ihrem eigenen Universum und schafft einen neuen Kunststil, der viele andere in den kommenden Jahren inspirieren wird.

8.8