Pretenders – Relentless

Rock, VÖ: September 2023
RELENTLESS der PRETENDERS ist eine Erinnerung daran, dass sie für immer unzertrennlich bleiben werden.

Chrissie Hynde versteht, dass sie eine Metamorphose oder vielleicht eine präsenile Demenz durchmacht. Das wird in „Losing My Sense of Taste“ deutlich, wenn sie singt: „I don’t even care about rock and roll / All my old favorites seem tired and old.“ Es ist der nachdenklich rockende Eröffnungstrack des ersten Pretenders-Albums seit 2020. Das Titelbild zeigt ein kleines Kind mit einer Augenklappe und übergroßen Boxhandschuhen, die abgenutzt aussehen. Die Illustration könnte jemanden widerspiegeln, der wie Hynde durch die Krise gegangen ist und immer noch kämpft. Diese Pretenders-Besetzung, die jetzt auf Hynde und den Gitarristen/Multiinstrumentalisten James Walbourne reduziert wurde, ist balladenorientierter, als viele annehmen würden. 

Dennoch erkennt man sofort, dass die zarten, aber harten Melodien aus der ikonischen Band hervorgegangen sind. Hynde’s Stimme ist mit 71 Jahren nur eine Nuance schwächer als in ihren besten Jahren, aber die Songs sind stark, die Texte so schrill, wie man es erwarten würde, und Walbourne’s Spiel bleibt professionell, ohne ins Glatteis abzurutschen. Instinktiv war Hynde schon immer eine Rockerin, auch wenn ihr Gang ihre Worte nicht ganz bestätigte. Wenn sie auf diesem treffend betitelten allmächtigen Rausch frischer Luft rockt, ist sie schwerer und dichter als je zuvor.

Hynde blüht immer dann auf, wenn sie etwas zu beweisen hat; Hier geht es darum, einen Platz für die Pretenders im Jahr 2023 zu finden. Das perkussive „Your House Is On Fire“ lässt ihre Songwriting-Muskeln spielen und hat die Frechheit, wie ein Madrigal zu beginnen. Es wird echtes Neuland betreten, als Jonny Greenwood auftaucht und dem anmutigen Abschluss „I Think About You Daily“ ein wirbelndes Streicharrangement hinzufügt, in dem Hynde ihre Prahlerei aufgibt, um verletzlicher zu klingen als seit Jahren, während sie flüstert: „I never could take good advice“. 

Sicherlich wollte Chrissie Hynde schon immer, dass die Pretenders wie auf „Relentless“ klingen.

8.0