Poppy Ajudha – THE POWER IN US

PopR&B, VÖ: April 2022
THE POWER IN US ist in der Tat kraftvoll, in Stimme und Botschaft, in Bezug auf das Politische, Soziale und Persönliche, und nach unzähligen Singles und EPs verschmilzt die britische Sängerin POPPY AJUDHA nun auf ihrem Debüt alles in einem feinen Gewand aus Soul, Dubstep, Jazz und Pop.

Die Beats, kreiert mit Hilfe von Branchengrößen wie Wyn Bennett, Karma Kid, Joel Compass und Wes Singerman, rotieren auf ihrem Debütalbum „THE POWER IN US“ in die Zukunft, und Keyboards beschwören drei Tage Regenwetter auf ein solches herauf. Die Mittzwanzigerin Poppy Ajudha aus London, die Wurzeln in der Karibik hat und in Großbritannien längst Streamingstar und Nike-Werbegesicht ist, geht mit einer Stimme wie Adele und der Stimmung von Billie Eilish auf die Themen ein, die Menschen ihres Alters beschäftigen, von identitäts- und geschlechterpolitischen Fragen bis hin zum Kampf gegen den Klimawandel und die Folgen des Kolonialismus. “Who am I supposed to be?”, fragt sie in „Land Of The Free“ und gibt statt einer Antwort eine Empfehlung ab: „Protest for the right to be / protest until they see us!“ Mit solchen Aufforderungen sollte man vorsichtig sein, aber vielleicht ist „THE POWER IN US“ die Geburtsstunde der neuen Stimme einer Generation.

Herausragend sind besonders der feministische Track „PLAYGOD“ und „FALL TOGETHER“, in dem ihre Stimme sich mit enormer Kraft, Reichweite und Schönheit erhebt. Hier hören wir eine vielseitig aufblühende Künstlerin, die viel zu sagen hat. Währenddessen geht „DEMONS“ tief ins Persönliche, Streicher beruhigen, während Hintergrundgesänge an Gospel-Territorium grenzen, es ist nackte lyrische Ehrlichkeit, die in einen seelenbewegenden Höhepunkt geschwemmt wird. Bis die vorherige Single „LONDON’S BURNING“ daherkommt, um erneut ihren spärlich melancholischen Zauber zu entfalten, wurde in relativ kurzen 31 Minuten viel musikalischer und emotionaler Boden abgedeckt. Wenn es eine Kritik gibt, dann wahrscheinlich, dass acht Songs ein wenig dürftig sind, aber das scheint eher dazu zu dienen, die Struktur straff zu halten, als ein Hinweis auf einen Mangel an Kreativität.

„THE POWER IN US“ zeigt eine elegante Ernsthaftigkeit der Gedanken, aber dennoch ist es immer noch ein Album, das man genießen kann, und keine Vorlesung, selbst die Zwischenspiele fügen Mehrwert hinzu und unterstützen, anstatt den Fluss abzulenken und zu verderben. Ajudha’s Stimmumfang und Darbietung sind herausragend und finden sich irgendwo zwischen Adele, Amy Winehouse und Celeste wieder. Und anstatt Größe zu erreichen, hebt „THE POWER IN US“ das enorme Potenzial hervor, das Ajudha in sich trägt, um einen Klassiker zu liefern, und bestätigt, dass sie eine Künstlerin ist, die es wert ist, im Auge behalten zu werden.

8.8