Poliça – Madness

Synth Pop, Juni 2022
In 32 Minuten und mit nur sieben Songs fokussieren sich POLIÇA tadellos auf MADNESS und verpacken ihr erstes Jahrzehnt als Band in ein ordentlich geformtes, mundgerechtes Paket.

Das neue Album „Madness“ wird als Begleitstück zu „When We Stay Alive“ aus dem Jahr 2020 und als Endpunkt für die erste Ära von Poliça in Rechnung gestellt. Das Quartett, das Anfang der 2010er Jahre mit zwei Schlagzeugern, einem Bassisten und Leanegh’s kniffligen, manipulierten Gesängen im Vordergrund und in der Mitte auftauchte, hat langsam und vorsichtig einen Sound verfeinert, der an den Rändern von modernem R&B und Alt-Pop angesiedelt ist. „Madness“ beginnt auf „Alive“ mit einer bedrohlichen Drei-Noten-Basslinie. Es ist vielleicht nicht verblüffend originell, liefert aber eine glorreiche Bad-Trip-Club-Atmosphäre, und wenn sich Channy Leaneagh’s ominöser Gesang zu den untergetauchten Drums gesellt, erblüht der Track zum bösartigen Cousin eines Dance-Pop-Bangers.

Prominente Basslines treiben generell die meisten Tracks auf „Madness“ an, zusammen mit Channy Leaneagh’s wogender Stimme. Zu den Höhepunkten zählen die sich aufbauende Dynamik in „Violence“ und die hinreißenden rhythmischen Breaks von „Away“, während der Titeltrack eine grüblerische Klage ist, die Streicher im keltischen Stil einem elektronischen Hintergrund gegenüberstellt. „Blood“ würde aufgrund seiner eindringlichen Gesänge, der kantigen Percussion und des drängenden Rhythmus problemlos als Soundtrack für das neueste Scandi-Noir-Programm passen. Doch keiner der Texte tritt hier mit der gleichen Dringlichkeit oder Intensität auf, die „When We Stay Alive“ anzubieten hatte, obwohl „Fountain“ mit seiner Beschreibung einer turbulenten Beziehung am nächsten kommt: “Don’t you calm me when I speak/I will never be that weak,” warnt Leaneagh. 

In frühen Interviews erklärte Leaneagh ihren Widerstand dagegen, als Singer-Songwriterin wahrgenommen zu werden, indem sie behauptete, sich weniger auf die Ausdrucksweise als auf die Vermittlung von Emotionen zu konzentrieren. Seit dem Debüt der Band hat Leaneagh ihre Stimme verdeckt und mit digitalen Effekten überzogen. Aber wenn man von einer packenden lyrischen Platte wie „When We Stay Alive“ kommt, ist es schwer, sich mit „Madness“ verbunden zu fühlen, besonders wenn die überzeugendsten Zeilen von der Produktion geschluckt werden. Alles, was Leanegh anzubieten hat, ist Folgendes: “I am here for you all and I am never truly myself here. I am her for you all and I am never truly her”. Doch letztlich ist es die helle, rhythmische Instrumentierung des Albums, die die Geschichte erzählt.

6.8