Plains – I Walked with You a Ways

Country/Folk, Oktober 2022
Sich auf die Straße zu begeben und die Unordnung des Lebens in einem Staub- und Kieshagel hinter sich zu lassen, ist ein Thema von I WALKED WITH YOU A WAYS der Sängerinnen KATIE CRUTCHFIELD und JESS WILLIAMSON.

Nachdem man diese einmalige Zusammenarbeit zwischen Katie Crutchfield (Waxahatchee) und Jess Williamson gehört hat, muss man sich fragen, warum diese Frauen sich nicht für zukünftige Projekte engagieren wollen. Die Paarung ist so beeindruckend. Die Pipeline vom Country-Genie zum Popstar ist gut dokumentiert, aber der Indie-Liebling zum Country-Singvogel weniger – Jess Williamson und Katie Crutchfield sind die jüngsten, die sich auf diesen weniger ausgetretenen Weg begeben, und sie könnten die bisher größte Erfolgsgeschichte sein. Inspiriert vom gegenseitigen Respekt vor der Musik des anderen, sind die exquisiten Harmonien des Duos auf diesem Set aus größtenteils originellem Indie-Folk mit Pop-Anleihen hypnotisch und fast jenseitig.

Nicht jede Kombination von Stimmen passt zusammen, aber wenn man Crutchfield und Williamson beim Eröffnungsstück „When the Summer Sun Melts Candles“ dieses Debüts gemeinsam singen hört, wird klar, dass diese beiden eine stimmliche Chemie und einen einzigartigen Sweet Spot gefunden haben. Obwohl die zusammengestellte Begleitband genauso überzeugend ist wie Crutchfield’s Bonny Doon-Support auf „Saint Cloud“, ist es nicht überraschend, dass der Star von „I Walked With You A Ways“ die Stärke des Songwritings des Duos ist. Zwei von Williamson’s Songs („Abilene“ und der Titeltrack) sind so umwerfend niederschmetternd, dass man sich nur fragen kann, weshalb sie diese bisher nicht selbst veröffentlicht hat.

Der abschließende Track „I Walked With You A Ways“ ist eine angemessene Hommage an das Projekt, aber er ist so allgemein herzergreifend, dass er zweifellos mehr als eine Handvoll Taschentücher beanspruchen wird. Ebenso enthüllt Crutchfield auch hier eine Reihe von Edelsteinen. Die erste Single „Problem With It“ hat eine breite Crossover-Anziehungskraft und zeigt, dass ihre jüngsten Einflüsse zu Legenden wie Lucinda Williams und Wynonna Judd nicht nur eine vorübergehende Phase waren. Ihr stärkster Moment kommt jedoch in dem selbstreferenziellen „Hurricane“, wo sie sich darüber Rechenschaft ablegt, alles andere als ein schrumpfendes Veilchen zu sein. Aber die letzte Hook der verletzlich gesungenen Zeile „I know you’ll love me once“ zementiert die reife Herangehensweise des Songs an Beziehungen.

Flüchtiges Glück findet sich in Tracks wie „Last 2 On Earth“, dem Song, den Crutchfield mit Morby geschrieben hat. Die Dobro- und Piano-geschnürte Melodie findet einen Moment im Chaos, auch wenn es nicht von Dauer ist – “Leaving here tomorrow if it don’t go my way/And if it does or doesn’t, don’t have much of a say.” Es ist eine großartige Strophe von einem Duo, das sich an einem Album versucht hat, das am Ende definitiv seinen Weg geht. Crutchfield und Williamson bestehen darauf, dass diese Platte einmalig ist, aber man muss einfach daran glauben und fest darauf hoffen, dass sie es sich noch einmal überlegen werden.

8.0