Pissed Jeans – Shallow

Alternative Rock, VÖ: Januar 2005
Die Bässe und Drums hören sich wuchtig an, perfekt passend zur spärlichen, schnörkellosen Produktion, die uns atmen lässt. Die PISSED JEANS klingen zwar nie „virtuos“ im traditionellen Sinne, haben aber eine gewisse unbestreitbare Kraft, und das ist vor allem der Solidität von Sean McGuinness und Randy Huth zu verdanken.

Eigentlich konnten die Pissed Jeans aus Pennsylvania nur bei einem einzigen Label dieser Welt unterzeichnen. Sub Pop. Ihr unzensierter Post-Punk passt perfekt in die Namensliste des Labels aus Seattle und passend dazu beugen sich auch die Pissed Jeans keinem Trend und es ist schwer zu glauben, dass die neu aufgenommene Version Ihres Debüts im Jahr 2005 entstand und nicht, wie man es eigentlich vermuten sollte, in den Anfängen der 90er Jahre. Die Herrschaften nehmen sich eben selbst am wenigsten ernst und tragen über diese Eigenschaft zum wesentlichen Erfolg der Band bei. „Ashamed of My Cum“ ist eine zwei Minuten Garage-Rock-Vignette, „I Broke My Own Heart“ betäubt mit einer enormen Basslinie, „Closet Marine“ besticht durch seinen wuchtigen Refrain und „Boring Girls“ ist sowieso die statuierte Fetischisierung ihrer eigenen Langweiligkeit. 3:36 Minuten geht „Boring Girls“ und wer in dieser Zeit keinen festen Halt findet wird gnadenlos untergehen.

„Oh, I want to kiss those boring girls”. Eine Änderung im Takt scheint unmittelbar bevorzustehen – aber sie kommt einfach nicht. Der Track knallt einem unbefriedigenden und ungelösten Sex vor die Füße, sorgt mit Aussetzung der Gitarren gegen Ende sogar für eine ekelerregende Enttäuschung. Die Pissed Jeans schrieben hier die langweiligste und zugleich faszinierendste Hymne auf Grobheit und Gleichgültigkeit. „Throbbing Organ“ und „Night Minutes“ stammen aus Ihrer Debüt 7″ aus dem Jahr 2004 und wurden für „Shallow“ neu aufgenommen. Es war kompromissloser Noise-Rock, zwar ein bisschen flach und unverständlich das beständige Heulen von Korvette im Hintergrund, aber trotzdem angenehm schmutzig und düster.

Die restlichen Songs profitieren enorm von der Rhyhtmus-Sektion. Der Bass und das Schlagzeug klingen massiv, die Stimme strahlt eine unbestreitbare Macht aus und die Produktion zeugt von einer mitreißenden Ungestümtheit. Es ist leicht zu verstehen, warum dieses Album damals so schnell vergriffen war und es ist noch einfacher zu verstehen, warum jetzt die perfekte Zeit für eine Neuauflage ist. „Shallow“ ist an Extremität kaum zu überbieten. Es gibt keine Heilung in Sicht und keine Pointe. “I’m dehydrated/ I’ve got diarrhea/ I can’t keep my food down/ My sinuses are clogged,” jammert Korvette heftig in seinem eigenen Sumpf aus 90er Alternative Rock. „I broke my own heart“.

8.6