Palais Schaumburg – Palais Schaumburg

Classic AlbumsExperimentalJazz, August 1981
So verrückt. Dies ist eines der einzigartigsten Alben, die man je gehört haben dürfte – zumindest was das Zusammenspiel der Instrumente angeht. Eingängig und skurril, aber auch ängstlich und nervenaufreibend. Das Debüt von PALAIS SCHAUMBURG muss unbedingt gehört werden.

Die exzentrischen Herrschaften von Palais Schaumburg schaffen auf Ihrem gleichnamigen Album den bisher größten Triumph des Dance-Punk/Jazz-Crossovers. Dieses Album nimmt uns mit auf eine Reise aus bizarren Tanzliedern, Urgesängen und spastischen Ausbrüchen von Free Jazz, während Sänger Holger Hiller in gequältem Wahnsinnsgeschrei andere und sein eigenes Ethos auseinanderreißt. Die erste Hälfte des Albums schließt mit destruktiver Elektronik, die die Stimme des Sängers überwältigt, pure Kakophonie vom Feinsten. Als die Elektronik ausstirbt, kommt ein Tribal-Beat herein, als wäre nie etwas passiert, obwohl elektronische Ausbrüche auf die Zerstörung, die gerade eingetreten ist, hereinbrechen.

„Wir Bauen Eine Neue Stadt“ wird durch drei manische Strophen beflügelt, jede etwas überschwänglicher als die vorherige, bis eine atavistische Tribal-Jazz-Sektion dazwischen geschaltet wird, die auch am Ende (mit noch wilderen Geräuschen) wieder auftaucht. Dann geht es mit „Die Freude“ weiter, einer dreckigen Collage aus Klavier, hymnischen Blechbläsern, Free-Jazz-Bass, tropischen Schlaginstrumenten und einem geistesgestörtem Gesang. „Gute Luft“ klingt wie eine katatonische Free-Jazz-Band, die versucht, einen Synth Pop Song zu imitieren und dabei von Einstürzenden Neubauten remixt wird. Die erste Seite zeigt keine Atempause! 

Denn wenn „Grünes Winkelkanu“ in die Gehörgänge einbricht, ist der eigene Verstand gerade durch die Nasenlöcher geflohen. Aber auch nur ohne Verstand und Sinn ist die minimale, manische, gebrochene und sich wiederholende Imitationen von Free Jazz auszuhalten.

Die zweite Hälfte beginnt genauso absurd, aber etwas entspannter als die erste. „Morgen wird der Wald gefegt“ ist ein schizophrener Look im Punk-Stil, absolut perfekt gemacht. Auf dem nächsten Stück nimmt das Tempo wieder zu. Albtraumhafte Trompeten überlagern dieselbe ursprüngliche Percussion-Sektion, die die erste Hälfte so großartig gemacht hat. Eine Pause spendiert uns die Platte dann mit „Hat Leben noch Sinn?“ und einer fast düsteren Kabarett-/Karnevalsmelodie. Dies ist der beängstigendste Teil des Albums. Die robotischen Melodien des folgenden Tracks verlängern die inbrünstige Pause. 

Schließlich beginnt das abschließende „Madonna“ ziemlich traditionell, bevor es zu einer orgiastischen Panoramaschau des industriellen Chaos geht und zu einem Dance-Punk-Track der absurdesten Art wird. Palais Schaumburg zeigen mit straffem Ensemblespiel und komplexen Akkorden, dass die Band immer genau weiß, was sie tut. Hier ist alles zu finden, außer gewöhnliche Allerwelts-Seltsamkeiten.

10.0