Noveller – Pink Sunset for No One

Ambient, VÖ: Februar 2017
Während man auf früheren Alben spürte, dass NOVELLER darüber nachdachte, was sie mit den Klängen anfangen sollte, die sie erzeugen konnte, scheint sie nun ihre Instrumente besser unter Kontrolle zu haben.

Mit jeder weiteren Veröffentlichung drängt das sich selbst erhaltende Universum, das Sarah Lipstate als Noveller hervorbringt, nach außen. Ihr Instrumentalsound hat sich weit über seine frühe Inkarnation mit schwebenden Verankerung hinaus weiterentwickelt. Das beruhte auf mehreren Verzerrungsschichten, um meditative Räume zu schaffen, die uns einhüllten; In jüngerer Zeit haben Synthesizer und Percussion Eingang in ihre umfangreichen Kompositionen gefunden. „A Pink Sunset for No One“ wird von einem neuen epischen Sinn für Größe und Erzählung beherrscht. Im Guten wie im Schlechten werden die komplizierteren Details des Albums manchmal von seinen schimmernden Crescendos überschattet.

Während das Album alle Merkmale von Lipstate’s filmischem Sound enthält, wie sanft dahintreibende Wellen dröhnender Gitarren und leicht melancholische Atmosphären, scheint ihr Spiel dieses Mal in einigen Aspekten klarer zu sein. Sie hat noch nicht gerade mit dem Schreiben von Popsongs begonnen, aber manchmal sind ihre Kompositionen etwas schwungvoller und die Melodien wirken klarer als je zuvor. Es ist schwer, genau zu sagen, welche Instrumente oder Effektpedale sie verwendet, da die Fußnoten keine dieser Informationen preisgeben, aber es gibt Momente, die wie Orgeln klingen, und andere, die wie gesampelte Holzbläser wirken (beim Schlussstück „Emergence“). 

Auf „Rituals“ schimmern sogar Gesangstöne aus dem distanzierten, aber schwungvollen Rhythmus und den Post-Punk-beeinflussten Akkorden hervor. Der Titeltrack des Albums beginnt ruhig mit klingenden Tönen, bevor lautere Gitarren ertönen. Insgesamt wirkt diese Platte viel fragiler als die vorherige Veröffentlichung „Fantastic Planet“, die zeitweise in einem überschwänglichen Pop-Glanz der frühen bis mittleren 80er Jahre schwelgte. Ein kurzer Blick auf die Titel scheint auch ein gewisses Maß an Gewissenssuche zu offenbaren; „Lone Victory Tonight“, „Deep Shelter“, „A Pink Sunset for No One“, „Trails and Trials“ oder „Another Dark Hour“.

Alle deuten auf lange Nächte voller Selbstbeobachtung und Zweifel hin. Außerdem ist auf der neuen Platte nicht die gleiche ausgelassene Ungeduld zu spüren wie bei „Fantastic Planet“, wo man hochgehoben werden konnte, nur um kurzerhand ohne „Bitte“ oder „Danke“ in eine andere Klanglandschaft geworfen zu werden. Auf „A Pink Sunset for No One“ steckt eine tief verwurzelte Geduld: Alle Antworten, die Lipstate liefert, können am Ende der Platte gefunden oder geformt werden, nachdem wir das Erlebnis als Ganzes verarbeitet hat.

7.0