Nina Nastasia – On Leaving

Folk, VÖ: September 2006
Textlich erforscht jeder der zwölf neuen Tracks von NINA NASTASIA Situationen, in denen die Charaktere darüber nachdenken, jemanden, etwas oder einen Ort zu verlassen.

Nina Nastasia sagte im Vorfeld, dass sie sich im Studio am wohlsten fühlt, wenn sie praktisch live auf Band aufnimmt und jeden Song genau so auf der Platte ruhen lässt, wie er entstanden ist. Vielleicht wieder dank der Aufnahme mit Steve Albini – es funktioniert jedenfalls für sie; selbst wenn sie am ambivalentesten ist, ist sie faszinierend und unmittelbar. „In the back of the house in the room I used to sleep/ I woke up and smelt burning wires/ For a month I wasn’t me/ A thief would wait for me outside/ And there were nights I would let him in/ No one ever found out.” Nina ist der beruhigende Moment, der auf sengenden Schmerz folgt. Die unverblümte Intimität ihres Stils hat sie mit Chan Marshall und Gillian Welch verglichen, obwohl sie nicht so offen gequält ist wie die erstere und nicht so ländlich wie die letztere.

In „Our Day Trip“ schlägt sie ihrem Geliebten vor, sich krank zu melden, die Stadt zu verlassen und ein Picknick auf einem Boot zu genießen – ein einfaches romantisches Ideal, das zunichte gemacht wird, als ihr Geliebter mit „so much more ambition“ zur Arbeit aufbricht. „Why Don’t You Stay Home“ markiert den Höhepunkt des Albums, als sie ihren Liebhaber anfleht, nach Hause zu kommen: „I know you can’t stay very long/ But why do you run, and run / The children you won’t recognise /They are growing so fast/ I can’t keep up, keep up“. Das Tempo ändert sich bei „Brad Haunts Party“ und „One Old Woman“, die großartig von Jim White’s Schlagzeugspiel geleitet werden. An anderer Stelle singt sie in „Bird of Cuzco“ einem abfliegenden Vogel zu, bevor sie in „If We Go to the West“ mit hoffnungsvollen Refrains schließt.

Noch nie hat Nastasia so exponiert und so herzzerreißend geklungen. Sie kann immer noch lautstärkeres Material aufnehmen, wie zum Beispiel den rauen Walzer „One Old Woman“, aber das ist eher die Ausnahme als die Norm. „On Leaving“ ist der Sound einer Künstlerin in ihrer verletzlichsten und zugleich schönsten Form.

8.2