Nikki Lane – Highway Queen

AmericanaCountry, VÖ: Februar 2017
Es ist die zweite Hälfte des neuen Albums von NIKKI LANE, die tatsächlich zeigt, warum Country trotz aller Widrigkeiten bestehen bleibt.

„Highway Queen“ wechselt zwischen Unmittelbarkeit und schlammverkrustetem Country und hat eine unverwechselbare, düstere Atmosphäre, die verführerisch ist und die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihre verborgenen Winkel zieht. „Yippee KI Yay!“ sind die allerersten Worte, die auf Nikki Lane’s drittem Album zu hören sind, ein Cowboy-Klischee, das mit lustvoller Absicht gejodelt wird. Es signalisiert die absolute Hingabe der 33-jährigen Singer-Songwriterin an ihr Genre, nur für den Fall, dass man nach dem Betrachten des Albumcovers, auf dem sie eine texanische Longhorn-Kuh reitet, in Ungewissheit gelassen wurde. Die ehemalige Modestylistin aus South Carolina sieht aus wie ein Aushängeschild für Country-Musik. Lane wuchs in Greenville, S.C. auf, zog aber nach Los Angeles und später nach New York, um Rock’n’Roll-Träumen nachzujagen. Die Songs der beiden Alben, „Walk of Shame“ von 2011 und „All or Nothin’“ von 2014, sind etwas lauter und reaktionärer, während „Highway Queen“ eine konzentriertere Nacherzählung der letzten Jahre darstellt.

Der Titeltrack donnert mit tiefer Percussion, während Lane das Leben unterwegs wie eine feministische, modernistische Version von Bon Jovi’s „Wanted Dead or Alive“ beschreibt. “60,000 miles of blacktop / Countless broken hearts between,” singt sie, bevor sie erklärt: “You can tie her down with a Marlboro Light / But the highway queen don’t need no king”. Die Höhepunkte auf „Highway Queen“ veranschaulichen Lane’s Wildheit und Vorliebe für Western-Themen. Während die beiden oben genannten Tracks sich darin auszeichnen, ist die Single „Jackpot“ der Inbegriff dieser Kombination – eine ausgelassene Nummer, die auf das Tempo galoppierender Pferde eingestellt ist. Ein paar Mid-Tempo-Rocker wie der abgespeckte Pedal-Steel-Drive des hämmernden „Lay You Down“ und der resolute Loretta Lynn-Stil von „Big Mouth“, bringen gerade genug Twang mit, um sie als Country zu bezeichnen, bleiben aber fest im Singer-Songwriter-Territorium. 

Wer in einem Song mit dem Titel „Muddy Waters“ auf einen Schuss Chicago-Blues hofft, muss sich mit einer bittersüßen Ballade begnügen, deren Worte wörtlich genommen werden, wie in „muddy waters, below my feet“, mit einem wütenden Protagonisten, dessen “mind is made up, gonna shoot to kill.” Die in Nashville lebende Künstlerin lädt Songs mit manchmal fünf oder sechs Gitarren auf, und während alles im Country verwurzelt ist, gibt es auch Ausläufer zu Vintage Rock ’n‘ Roll oder Western Soul. Das genaue Genre bleibt manchmal schwer fassbar, aber Lane’s Kühnheit schwankt nie.

7.9