Nicole Atkins – Slow Phaser

Americana, VÖ: Februar 2014
Oberflächlich betrachtet scheint SLOW PHASER eine Rückkehr zur makellosen Popkunst von NICOLE ATKINS glitzerndem Debüt Neptune City zu sein.

Für ihre dritte Platte kehrte die amerikanische Popsängerin Nicole Atkins in die nordische Küstenstadt Malmö in Schweden zurück, wo sie 2006 mit ihrer damaligen Band The Sea ihr erstes Album „Neptune City“ aufnahm. Damals hatte Atkins gerade einen neuen Vertrag bei Columbia abgeschlossen und voller kommerzieller Versprechen legte sie eine düster-romantische Reihe feuriger Lieder vor, die über ihre Heimatstadt in New Jersey geschrieben wurden. Sieben Jahre später unternahm eine letztendlich weisere und weltmüdere Künstlerin eine zweite Reise nach Skandinavien, um wieder Kontakt zum Produzenten Tore Johansson aufzunehmen und den düsteren und detailreichen „Slow Phaser“ zusammenzustellen.

Wenn „Neptune City“ eine nostalgische Hommage war und „Mondo Amore“ aus dem Jahr 2011 ein ausgefallenes Post-Trennungs-Album, dann scheint „Slow Phaser“ das themenlose Album einer reiferen Songwriterin zu sein, die sich von ihrer Muse in jede Richtung tragen lässt. Aber Atkins‘ Songwriting hat sich seitdem verändert, so dass sogar Songs entstanden wären, die zu „Neptune City“ (dem remixfähigen Disco-Track „Girl You Look Amazing“) oder „Mondo Amore“ (dem stampfenden Country-Gospel „Sin Song“) gepasst hätten und einen Fortschritt darstellen. 

Der Rest tendiert zum Schwung des frühen Art-Pop im Stil von Kate Bush, vom düster-schönen „Red Ropes“ bis zum lebhaften „The Worst Hangover“. Und Atkins‘ Gesang – sie wurde mit der Stimme von Stevie Nicks geboren, besteht aber darauf, wie Mama Cass zu singen – bleibt ein Wunder. Ihre Stimme ist ein riesiges, kraftvolles, theatralisches Instrument, das man oft zuvor am besten hörte, wenn sie einer Melodie das Lebendigste entlockte. Doch trotz all seiner Kraft und starken, dramatischen Wirkung hat sie gelernt, es sparsamer und mit weitaus größerer Zurückhaltung einzusetzen.  

Genau wie ihr Songwriting hat sich auch ihr Gesang weiterentwickelt und ist gereift. Mit „Slow Phaser“ hat Nicole Atkins eine Platte von viel tieferem Selbstvertrauen produziert, die sicherlich weit über all die körperlichen Verluste hinaus bestehen wird, die sie durch den Hurrikan Sandy erlitten hat. ​

9.1