Natalie Merchant – Leave Your Sleep

AmericanaFolk, VÖ: April 2010
NATALIE MERCHANT verließ 1993 die 10.000 Maniacs und machte anschließend eine erfolgreiche Solokarriere, in der sie in den nächsten zehn Jahren vier Studioalben produzierte. Dann? Nun, es genügt zu sagen, dass LEAVE YOUR SLEEP, ihr fünftes Studioalbum, nach einer Pause von sieben Jahren erscheint. Verständlicherweise.

„Leave Your Sleep“, eine Doppel-CD mit 26 meisterhaft produzierten Original-Tracks, ist ein außerordentlich ehrgeiziges Projekt. Es ist auch ein radikaler Aufbruch für die Texteschreiberin, die die Poesie anderer Autoren vertont. Es ist eine Freude, Merchant’s strahlende Stimme zu hören, die sich um die Poesie von Robert Louis Stevenson, Gerard Manley Hopkins, Robert Graves, Edward Lear, Christina Rossetti, e.e. cummings und Ogden Nash dreht. Musikalisch ist der Spielraum riesig – kein Wunder, dass Merchant so lange an „Leave Your Sleep“ gearbeitet hat. „I really wanted to experiment“, schreibt sie in den Fußnoten des Albums. „So I called on some of the most accomplished musicians in Cajun, blue grass, reggae, chamber and early music, jazz, and R&B, as well as Chinese and Celtic folk.“ Sie hält ihr Wort, denn Katell Keinig und Lúnasa treffen auf The Klezmatics und The Chinese Music Ensemble of New York.

Trotz des ausgeklügelten Konzepts und der überwältigenden Länge schwebt das Album mit wunderschönen Folk-Arrangements und Merchants gewagter Kreativität in die Höhe. Der Song „Calico Pie“ gleitet zusammen mit dem einfachen Pop von Banjo und Geige, während der verspielte Jazz von „The Janitor’s Boy“ eine herrlich widerspenstige Bläsersektion verwendet. Die Stimme von Merchant behält immer noch ihre subtile Kraft, aber die größte Überraschung von „Leave Your Sleep“ ist ihre Selbstsicherheit, während sie sich mit einzigartigen lyrischen Ideen beschäftigt. Das breite Spektrum an Genres, die Merchant erforscht, verhindert auch, dass sich das Set zu lang anfühlt. Sie ist mit einer sorgfältig konstruierten Platte zurückgekehrt, die sich leicht und flink anfühlt, ein Verdienst ihres immer noch beeindruckenden Talents als Songwriterin.

7.6