Natalie McCool – The Great Unknown

Indie Pop, VÖ: November 2016
Als Album fühlt es sich ein bisschen breit angelegt an, aber es besteht kein Zweifel, dass NATALIE MCCOOL das Zeug dazu hat, gegen einige der besten Pop-Autoren-Produzenten da draußen erfolgreich anzutreten.

„The Great Unknown“ ist kein Pop im herkömmlichen Sinn. Es ist eine Mischung aus Dunkelheit und modernem Radio-Pop, mit dem die meisten vielleicht vertraut sind. Natalie McCool scheint jedoch kein Ausverkauf zu sein. Die Musik ist in jeder Hinsicht rein, eindeutig nicht etwas von dem erfunden Zeug, das man von Zeit zu Zeit zu hören bekommt. Es gibt viele Momente, in denen die Reinheit des Albums ins Spiel kommt, die vielleicht erst im letzten Track „When You Love Somebody“ am deutlichsten wird. Dieser Track ist der Bubblegum-Pop, den man auf der Platte am meisten hören wird, einfach und unbeschwert, während McCool verträumt singt: „It’s there when you love someone.“

„The Great Unknown“ ist raffiniert und fühlt sich in seiner eigenen Haut richtig wohl. Chris Martin und Paul McCartney haben sich in der Vergangenheit für die Songwriterin ausgesprochen, aber McCool sprintet an allen gehypten Promi-Empfehlungen vorbei, um ihre Platte zu finanzieren und auf eigenen Füßen zu stehen. Die Balladen der Platte zeugen von McCool’s kristallklarem Stimmvermögen und sensiblem, intelligentem Songwriting: „When You Love Somebody“, „You and I“ und „Fortress“ sind offenherzig und voller strahlendem Optimismus. „Just Let Me Go“ zeigt McCool von ihrer verletzlichsten Seite. Atemberaubend rein führt ihre Stimme den Song voran, wobei sehr wenig Produktion über die Takte verteilt wurde. 

Dieser minimalistische Ansatz wirkt Wunder. Der Song berührt den Schmerz des Herzschmerzes, McCool fleht: “Let me bleed and leave me/Just let me go.” Sie stellt Unschuld Wut und Niedergeschlagenheit gegenüber, ihre rauchigen Gesänge, die sich makellos in ausbalancierter Bewegung verweben, wachsen von hauchdünnen Anfängen zu einem Strudel aus bitterer Akzeptanz und emotionaler Feindseligkeit. Und es gibt immer noch clever umgerüstetes Power-Balladen-Territorium der 80er in „Oh Danger“, raffiniert verzierten Synth-Pop und aufdringliche Gitarren in „Magnet“. Und das alles mit einer beneidenswert vielseitigen Stimme, die immerzu natürlich klingt, egal welchen Stil Natalie singt. „The Great Unknown“ bestätigt sie als eines der am meisten unterschätzten aufstrebenden Musiktalente in Großbritannien.

7.4