Nadine Shah – Filthy Underneath

Indie Rock, VÖ: Februar 2024
In FILTHY UNDERNEATH setzt NADINE SHAH ihr wahres Selbst aufs Spiel, vielleicht zu ihrem eigenen Vorteil, aber auf jeden Fall zu unserem eigenen, damit wir die Linse auf uns selbst richten und alle Fragen stellen können, die gestellt werden müssen.

Nadine Shah, seit 2013 Lieferantin hochwertiger Musik, ist dankenswerterweise zurückgekehrt, um uns mit ihrem bisher besten Produkt, „Filthy Underneath“, zu beehren. In der Zeit zwischen ihrem letzten (und bisher besten) Album, „Kitchen Sink“ aus dem Jahr 2020, hat sie eine turbulente Zeit durchlebt, die von immensem persönlichem Erfolg (einschließlich einer Arena-Tournee mit Depeche Mode) und schweren Konflikten geprägt war. Es gibt bereits viele Kopien über die besonders erschütternde Tortur der letzten Jahre, die Nadine auch in jeder Hinsicht durchgemacht hat, aber es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken – dies ist ein Album zum Feiern. Natürlich würde man das nicht besonders an der Musik erkennen, die gewohnt bissig und beruhigend zugleich bleibt.

Die erste Single „Topless Mother“ ist vielleicht der Titel, der am meisten zu Shah’s früheren Werken passt, mit einem Hauch von PJ Harvey’s und Bad Seeds-Einflüssen, der immer noch in der Luft schwebt, aber der Song ist eine gewisse Anomalie. Das Trommelwirbelgewirr, die knackigen Gitarren und die lebhafte Gesangsdarbietung – die zusammengenommen leicht mit etwas der schwedischen Psych-Rock-Gruppe Goat verwechselt werden könnten – weichen bald einem Album, das die Dinge entspannt, anstatt sie aufzudrehen. Jegliche Vertrautheit verflüchtigt sich schnell: „Food Or Fuel“ zum Beispiel nimmt den Einfluss der indischen Disco-Jazz-Pop-Künstlerin Asha Puthli auf und verwandelt ihn in eine subtile Funk-Strebe, die beruhigend und hypnotisierend wirkt. 

Shah neigt hier mehr denn je zum Singen, sodass ihre Stimme wie eine wichtige Instrumentalkraft wirkt und gleichzeitig als intime und fesselnde Erzählerin fungiert. Dies kommt am besten im Sprechgesang-Track „Sad Lads Anonymous“ zum Ausdruck, in dem Shah reichlich selbstironischen Humor austeilt. „This was a dumb idea, even for you“, beginnt sie, während ein Gothic-Groove einsetzt, und sie erinnert sich an Geschichten aus „the madhouse“ und einer vorangegangenen Spirale. Es ist ein brillant direktes Songwriting, das ehrlich und roh ist, aber auch weit über die Beichte des Tagebucheintrags hinausgeht. 

„Keeping Score“ kommt direkt aus dem Herzen, während die stampfenden Trommeln von „Greatest Dancer“ der Stammeswut entsprechen und dabei fast schon komisch übertrieben sind. „Filthy Underneath“ wurde vom langjährigen Mitarbeiter Ben Hillier produziert und ist eine Platte voller wilder, lebendiger Klangdetails. Es ist konzeptionell konsequenter, musikalisch vollendeter, mehr von so ziemlich allem, was sie jemals zuvor gemacht hat.

8.9