Molly Burch – Romantic Images

Indie PopIndie Rock, VÖ: Juli 2021
Ob in Liebe, Erfahrung oder Schmerz. Dieses Album von MOLLY BURCH liefert notwendige Hilfe für diejenigen, die Herzschmerz erleben und spendet Trost, dass ihre Geschichte nicht ungehört bleibt. Eine Antwort bleibt ROMANTIC IMAGES jedoch schuldig.

Das neue Album „Romantic Images“ ist eine ziemlich große Abkehr von Burch’s früherem Retro-Pop, der sich hier für schimmernde Synths, Disco-Beats und eine im Durchschnitt erhebendere, selbstbewusstere Haltung entscheidet. Es gibt immer noch viel Sehnsucht und Enttäuschung, aber es ist Teil der Reise und nicht der zentrale Gedanke. Den ätherischen Disco-Pop des Albums stellt das eröffnende Stück „Control“, bei dem Burch mit Engagement kämpft, während die Instrumentierung zwischen Piano mit Schlagzeug im Pop-Stil und luftigen, Streicher-artigen Synths – gepaart mit pulsierenden Tanzrhythmen – wechselt. Neben Burch’s sorgfältigem Umgang mit Instrumenten ist auch ein Gefühl der Entschlossenheit in die neuen Songs eingedrungen, dass nicht zuletzt durch Alaina Moore und Patrick Riley von Tennis einhergeht, die „Romantic Images“ produzierten und auch selbst auf einigen Songs zu hören sind.

Höhepunkte sind „Heart of Gold“, dass mit filigraner Verspieltheit um intelligente Arrangement hüpft, und in der zweiten Hälfte der Platte „Took a Minute“, „Emotion“ und „Honeymoon Phase“ – ein Trio aus treibenden, luftigen Daft-Punkian-Pop-Songs, die ebenso mühelos wie süchtig machen. Während Burch zwischen Zuneigung, Hingabe und Verliebtheit hin und her pendelt, werden überall Anleihen zu Kate Bush und Julia Jacklin gestreut. Sie überschreitet nie die Grenze zur Besessenheit, wenn sie singt: „I want to be careful and kind / find out how to balance that line“. Das Ende von „Romantic Images“ mit einer Note der Selbstliebe ermöglicht es Burch, die Bandbreite zu zeigen, in die man in Zukunft eintauchen könnte. Liebe ist das ultimative Thema beim Songwriting, aber jetzt auf ihrem vierten Album könnte Burch in unbekannteres Terrain vordringen. Nachdem sie ihr Können bewiesen hat, ist es eine Schande, dass Burch sie nicht auf den Rest von „Romantic Images“ übertragen kann.

Es bleibt damit bei den angesprochenen Höhepunkten, denn ganzheitlich kann das neue Album nicht überzeugen. Es bleibt daher zu hoffen, dass Burch nun als etablierte Indie-Pop-Künstler den Raum nutzt, tiefer einzutauchen, Grenzen zu überschreiten und ihre Komfortzone der Liebeslieder überwindet.

6.7