Miranda Lambert – Platinum

Country/Folk, Juni 2014
Textlich berührt es auf poetische und melodisch ansprechende Weise viele Situationen, die junge Frauen irgendwann in ihrem Leben erlebt haben. PLATINUM wird sicherlich eines der beliebtesten Alben von MIRANDA LAMBERT werden.

Miranda Lambert probiert eine Menge Dinge auf „Platinum“ aus und fast alles funktioniert. Auf dem manifestartigen Titeltrack („My heels and hotels just got taller/ Something ‚bout platinum irrefutably/ Looks as good on records as it does on me“) kann sie großspurig und selbstbewusst sein, auf der ersten Single „Automatic“ leise nachdenklich und „Smokin‘ and Drinkin'“ („…on the weekend like we did back in the day“) oder einfach nur lustig auf dem ausgelassenen „Gravity is a B**ch“ („You can nip it, tuck it, squeeze it but you’re never gonna beat it“). Musikalisch klingt Lambert so angenehm, wenn sie sich mit Hard Country („Old Sh!t“), Western Swing (das Dixie Hall/Tom T. Hall-Cover „All That’s Left“ feat. The Time Jumpers) oder barockem Pop („Two Rings Shy“, deren karnevaleskes Arrangement an die Arbeit von Mitchell Froom und Tchad Blake erinnert) umgibt. Genauso überzeugend wirkt es, wenn sie knackige moderne Country-Produktionen wie das absurd eingängige „Priscilla“ oder das elegante „Babies Making Babies“ singt.

Auf ihrem fünften Soloalbum, prahlt Lambert aufrichtig wie der Partonesque-Country-Superstar, der sie ist. Zwischendurch taucht sie jedoch immer wieder in die Details des Lebens (insbesondere des weiblichen Arbeiterlebens) ein, das sie damit verbracht hat, Schmerzen zu betäuben und den Schein zu wahren – und daraus zu lernen, welche Kraft man daraus ziehen kann. Aber Lambert zapft auch die alten und alternativen Elemente jenseits des Music-Row-Pop an, die Country-Musik so reich machen. Der berührendste Moment des Albums ist sein am wenigsten perfekter Song: „Bathroom Sink“, das allein von Lambert geschrieben wurde, ist voller unvollkommener Reime über Reue und Selbstzweifel. “I thank Him for his patience/And I take my medication,” singt sie und klingt genauso echt wie der nächste Morgen danach. 

„Platinum“ ist eine feine Country-Platte. Miranda hat sich nie wirklich von ihren Country-Wurzeln entfernt und auch wenn die klangliche Breite der sechzehn Songs von „Platinum“ nicht jedem gefallen mag, hat das Album sicherlich für jeden etwas zu bieten und ist eine hervorragende Zusammenfassung des Standes der modernen Country-Musik im Jahr 2014.

8.3