Michael Nau – Accompany

Folk, VÖ: Dezember 2023
Alles in allem liefert ACCOMPANY ein überzeugendes Zeugnis dafür, dass MICHAEL NAU einer der derzeit am meisten unterschätzten Singer-Songwriter ist: ein Album, das wir garantiert noch Monate lang begleiten möchten.

Michael Nau, Veteran der US-amerikanischen Indie-Folk-Bands Page France und Cotton Jones, verfolgt seit dem Solo-Debüt „Mowing“ im Jahr 2015 eine ähnliche Mission, ohne die gleiche Aufmerksamkeit und Berühmtheit zu erhalten. Entspannt, aber nicht lustlos, locker, ohne leicht abgetan zu werden: „Accompany“ verdient eine Kurskorrektur und hebt Nau’s Profil hervor. Die Entwicklung erfolgte ohne einen besonders engen oder gut etablierten Plan. Etwas Studiozeit wurde frei und Nau konnte auf sein Traumteam von Musikern zurückgreifen, um seinen schnell wachsenden Stapel an neuem Material zur vollen Entfaltung zu bringen. 

Anstelle des ziellosen Gezettels und der skizzenhaft halbfertigen Songideen, die man von solch einem spontanen Setup erwarten würde, glänzt „Accompany“ geradezu vor Wärme und Tiefe, mit organischen, aber vielschichtigen Arrangements, die Live-im-Studio-Dynamik mit sorgfältig kalibrierten Orchestrierungen kombinieren (im wahrsten Sinne des Wortes im Fall von Streicharrangements, die gelegentlich auftauchen, um das Geschehen zu bereichern) in Verbindung mit einigen von Nau’s bislang ansprechendsten Songs. „Accompany“ ist eine Studie der Offenheit von Anfang bis Ende, wobei Nau’s Neugier im verträumten Dunst seiner Stimme und der Schwerelosigkeit seiner Arrangements voll zur Geltung kommt. 

Beschwingte Orchestermomente wie „Relearn to Boogie“ vermischen sich organisch mit großen Pedal-Steel-Gesten wie „Painting a Wall“, alles im Dienste von etwas wirklich Wehmütigem. Nau’s Geschick, Pop-Melodien für Stücke wie „And So On“ und das herausragende „Long Distance Driver“ zu kreieren, ist ebenso fesselnd wie die ruhigeren, mäandernderen Stücke wie „Tiny Flakes“, eine Art stimmungsvoller Spaziergang. Denn alles, was Nau von uns verlangt, ist, mit ihm mitzumachen, seinen Instinkten zu vertrauen und mit dem Strom zu schwimmen. Wenn wir dazu bereit sind, belohnt er uns mit einem überraschend bewegenden Refrain oder einem spontanen Trällerchen.

7.9