Mary Timony – Untame the Tiger

Indie Rock, VÖ: Februar 2024
Das neue Album der Singer-Songwriterin MARY TIMONY ist ihr erstes seit 15 Jahren. Es ist ein verblüffendes Dokument einer Künstlerin, die im vierten Jahrzehnt ihrer Karriere völlig zu ihrer eigenen Kraft gelangte, das Ergebnis der Lektionen, die sie in einem lebensverändernden Kampf gelernt hat.

Es ist 15 Jahre her, dass Mary Timony ein Soloalbum veröffentlichte. Für ihre Fans mag das eine seltsame Aussage sein, weil Timony bei allem, was sie in den 30 Jahren, in denen sie Musik schrieb und aufgenommen hat, so stark vertreten ist, aber es stimmt: Sie verbrachte die gesamten 2010er Jahre in Bands, die nicht nach ihr benannt waren. Und sie hat die ganze Zeit über Alben veröffentlicht, vier in jedem Jahrzehnt. Die Tatsache, dass ihr neuestes Album „Untame The Tiger“ unter ihrem eigenen Namen herauskommt, zeigt, wie persönlich es ist. Macht Sinn, da es sich um die Aufzeichnung handelt, die sie nach dem Ende ihrer langjährigen Beziehung und dem Tod ihrer beiden Eltern schrieb. Darüber hinaus kümmerte sie sich in den zwei Jahren, in denen sie alle Lieder schrieb, um ihre kranken Eltern; Eine Erfahrung, die sie als „the hardest thing I’ve been through“, beschreibt. „Every week I had to manage a new crisis.“ 

„Untame The Tiger“ mag in schwierigen Zeiten entstanden sein, aber es ist alles andere als eine ausgekochte Depression. Ehrlich gesagt ist es nicht einmal ein Konzeptalbum über Kummer und Verlust, sondern eher so, als würde Timony mit Genres spielen. Es gibt Country, Akustik-Rock, Krautrock, Rock – und alles durch Timony’s Filter. „Untame the Tiger“ ist daher vieles: eine tagebuchartige Übung, eine Rückkehr zur Form von Ex Hex’s schillerndem Garagenrock, eine Begegnung der Gedanken dank der Unterstützung von Timony’s langjährigem Helden, dem Fairport Convention-Schlagzeuger Dave Mattacks. Irgendwo zwischen Timony’s charakteristischer Trockenheit und der Intimität ihrer Motive liegt der ideale Kompromiss zwischen Distanz und Nähe, wo wir das Privileg genießen können, eine wahre Legende an einem Wendepunkt in ihrem Leben zu begleiten. 

Nichts ist zu geradlinig: Ob Timony’s verwirrende lyrische Darbietung, unkonventionelle Rhythmen oder einige instrumentale Überraschungen, jeder Song auf „Untame the Tiger“ löst Kopfzerbrechen aus, oft zu seinem eigenen Vorteil. Der strahlende Psych-Rock von „Looking for the Sun“ ist ein weiteres Beispiel, zusammen mit „Dominoes“, die beweisen, dass Timony’s Weg mit einem wild-witzigen Trennungssong noch nicht verloren gegangen ist. Passenderweise bietet der Titeltrack mit seinem stattlichen Auftakt und dem klarsichtigen Tuckern eine der besten Gegenüberstellungen des Albums von damals und heute. Bei „Untame the Tiger“ bedeutet Ausgewogenheit keinen Kompromiss; Während Timony sich durch die Trauer kämpft, kreiert sie bewegende, unvergessliche Songs, die Fans zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere zu schätzen wissen.

7.9