Mary J. Blige – A Mary Christmas

ChristmasR&B, Oktober 2013
Mit erstklassiger Musikalität und einem unbestreitbaren Respekt vor dem Material wird A MARY CHRISTMAS dennoch den Test der Zeit nicht bestehen. In MARY J. BLIGE aufgezeichnetem Vermächtnis fehlt der persönliche Stempel, der vergangene Weihnachtsalben von Künstlerinnen wie Stephanie Mills und Toni Braxton während der wechselnden Jahreszeiten so durch und durch angenehm gestaltete.

Auch Mary J. Blige kommt nicht darum, in ihrer langen und erfolgreichen Karriere ein Weihnachtsalbum machen zu müssen. Und wie bei vielen ihrer Kolleginnen weicht auch „A Mary Christmas“ nicht von der X-Factor-Formel ab und übergießt uns mit festlichen Standards, matschigen Streichern und Chören. Dies hier ist aber dennoch Mary J. Blige, es wird mit Begeisterung und umwerfender Technik dargeboten und ist für diejenigen, die sich in den bittersüßen Untertönen der Wintersaison sonnen. Und wer könnte besser als Blige tief in die endlose Grube der Verzweiflung graben?

„A Mary Christmas“ ist ein unbestreitbar hörbares, aber leider zu sicheres Sammelsurium von Kaufhausstandards, kinderfreundlichen Showmelodien mit Glockenspiel-angereicherten Arrangements, um festlicher zu wirken, und dazu gibt es noch ein oder zwei Elfengeschenke. Sehr wenige Tracks liefern den emotionalen Höhepunkt, den wir sowohl von Blige als auch von Weihnachtsmusik im Allgemeinen erwarten; praktisch kein Song bietet auch nur den illegitimen Charme einiger von Mariah Carey’s fantasievolleren Zuckerstangenliedern.

Aber nicht alles muss zum Teufel gejagt werden. Da gibt es beispielsweise „Noche De Paz“, eine zweisprachige Ausgabe von „Silent Night“, aufgeführt mit Marc Anthony – die sowohl in der musikalischen Textur als auch in der natürlich fließenden Stimmchemie eloquent erscheint. Darüber hinaus gibt es mehrere Fälle, in denen Blige’s technisches Geschick wirklich durchscheint, wie bei ihrer Interpretation von „My Favourite Things“ und einer herzlichen Interpretation von „Mary, Did You Know“. Letztlich wird dieses Weihnachtsalbum aber gemeinsam mit den abfallenden Nadeln am Tannenbaum schon bald wieder aus unserer Wahrnehmung verschwinden.

5.0