Marnie Stern – The Chronicles of Marnia

Indie Rock, VÖ: März 2013
Optimismus trotz aller Widrigkeiten: Das war MARNIE STERNs Einstellung von Anfang an.

Die musikalische Transformation, die sich auf ihrem neuen Album zeigt, kommt nicht ganz unerwartet, wie Fans wissen, die sowohl „For Ash“ als auch „Every Single Line Means Something“ am Stück gehört haben. Derselbe langsame Fortschritt ist zwischen dem selbstbetitelten Album von 2010 und dem neuen „The Chronicles of Marnia“ zu beobachten. Marnie muss lachen, wenn sie an ihre musikalische Entwicklung zurückdenkt. „I’m sure if I went from the first album to this one, I’d have a heart attack. Luckily it’s been gradual enough for me to enjoy the changes.“ Und es besteht kaum ein Zweifel, dass ihre Fans das auch tun werden. Ihre dritte Platte, „Marnie Stern“ aus dem Jahr 2010, signalisierte ihre relative Niedergeschlagenheit mit einem spiegelnden Titel und nicht nur einem, sondern zwei Liedern über einen verstorbenen Ex-Liebhaber: „You will always be here! And here! And hear!“ sang sie bei „Cinco De Mayo“. In gewisser Weise zeigte das sogar ihren Optimismus, die Art und Weise, wie sie sich von dem Kerl verabschiedete, indem sie ihn bei sich behielt.

Bisher führte Stern ein künstlerisches Doppelleben, in dem sie wegen ihrer Persönlichkeit wie eine sensible Singer-Songwriterin und wegen ihrer Art, Gitarre zu spielen, wie eine posthumane Techno-Zauberin behandelt wurde. Auf jedem Album seit ihrem Debüt sind diese beiden Teile von ihr näher zusammengerückt. Auf „The Chronicles of Marnia“ sind sie eins. „Close your eyes“, singt sie zum großen, lauten Walzer von „Still Moving“. „Nobody knows when it’s gonna be. Nobody knows when it’s gonna be. Close your eyes“, wiederholt sie und tröstet zum ersten Mal in einem Lied jemand anderen als sich selbst. Wie der von CS Lewis inspirierte Titel vermuten lässt, ist „The Chronicles of Marnia“ voller Metaphern über das Leben als Quest und gefühlvoller Schlachtruf-Hooks in Hülle und Fülle. Wie alle reisenden Helden wird Stern auf die Probe gestellt und klagt in „Proof of Life“ düster: „All my life is based on fantasy, and all the gods have stopped talking to me.“ 

Halbautobiografische Krisen mögen diese Lieder treiben, aber eine trotzige Hoffnung durchdringt sie: Die Sonnenstrahlen von „Year of the Glad“ und die aufsteigenden Riffs von „Immortals“ sind umwerfend. Fans werden sich mit dem Kopf voran in das Album stürzen und sich schnell mit dem emotional nachhallenden Material, den kaskadierenden Hooks und transzendentalen Gitarrenriffs verbinden.

8.1