Marika Hackman – Big Sigh

FolkFolk Rock, VÖ: Januar 2024
Dass MARIKA HACKMAN ihre musikalische Inspiration angeblich in einer Kneipentoilette wiederentdeckt hat, passt zu einem Album, das sie, auch wenn sie der Vorliebe des vorherigen Albums für Sex folgt, von ihrer besten Seite zeigt.

Es gibt nichts Besseres als eine globale Pandemie und die lähmende Angst, die der Kreativität Einhalt gebieten könnten. Nach der Offenheit von „Any Human Friend“ war es für Marika Hackman, ein Folk-Alt-Pop-Wunderkind, wohl vorbestimmt, Schwierigkeiten zu haben, „Big Sigh“ zu erschaffen, eine hörbare Veröffentlichung von vier Jahren der Ungewissheit. Das Ergebnis dieses bangen Kampfes ist vielleicht ihr persönlichster, aber auch vielfältigster. Dies ist auch klanglich Hackman’s düsterstes und härtestes Album. Sie spielte jedes Instrument außer Blechbläsern und Streichern selbst und war zusammen mit Sam Petts-Davies (Thom Yorke, Warpaint) und Charlie Andrew (Alt-J, Wolf Alice) Co-Produzentin. 

Im Gegensatz zu der eher kollaborativen Energie der gesamten Band, die ihre vorherigen Alben geprägt hat, vermittelt der Solo-Ansatz ein Gefühl von Raum und Einsamkeit. Der Titeltrack „Big Sigh“ bündelt seine niedergeschlagene, nachdenkliche Energie in einem großen, mitreißenden Refrain, während „Hanging“ als Klavierballade beginnt, bevor sein von transzendenten Gesangsharmonien geprägter Höhepunkt zum Leben erwacht. Gelegentlich taucht hier das Echo von „Any Human Friend“ auf und erinnert an Hackman’s Expertise in erhabenen, sexy Popsongs, die aufgrund ihrer bissigen Lyrik fesselnd bleiben. In Hackman’s Welt sind die Verbindungen voller Stöße, Sprünge und hervorstehender Dinge. 

Körperteile knacken und brechen, als ob sie auseinanderfallen würden. „So sublime / Turn to slime“, singt sie, bevor sie „Yeah Yeah Yeahs“-artige Synthesizer anstimmt, die „Slime“ zu einem großen Hook treiben. Auch klangliche Experimente formen das Album immer wieder neu, wie zum Beispiel „Vitamins“, das wie ein Vintage-Air Track klingt und sich leise aus einer Kiste mit kaputten Werkzeugen hervorkämpft. „Big Sigh“ ist ein Abenteuer in die dunklen Gänge der Pop-Traurigkeit mit der gesammelten Weisheit eines Folk-Songbuchs, fest umklammert von starken Händen. Hackman hat es endlich geschafft, ihre Zwanziger zu überstehen, und all ihre guten Absichten und schlechten Entscheidungen haben Spuren in ihrem Herzen hinterlassen. 

Sie ist bereit, diese Seiten umzublättern und ihre Erwachsenengeschichten zu erzählen.

8.0