Margo Price – Midwest Farmer’s Daughter

Country, VÖ: März 2016
Das Solo-Debüt von MARGO PRICE beginnt mit einem Paukenschlag: Hands of Time ist ein epischer Story-Song über eine Frau, die ihr Zuhause verlässt und versucht, sich in der Welt durchzusetzen.

“All I want to do,” singt Margo Price, umspült von Country-Streichern, “is make my own path/ I know what I am, I know what I have.” Der autobiografische Drang dieses bemerkenswerten Songs – und auch der Albumtitel von Price – erinnern eindeutig an Loretta Lynn’s „Coal Miner’s Daughter“. Doch die Verbindungen zwischen den beiden Country-Sängern enden hier nicht. Gegen Ende ihrer Karriere arbeitete sie mit Jack White für „Van Lear Rose“ aus dem Jahr 2004 zusammen, und White’s Third Man Records bot eine Startrampe für Price, indem sie ihr selbstfinanziertes Solodebüt, so wie es ist als „Midwest Farmer’s Daughter“ veröffentlichte. 

Sparsam und schlank wie Loretta in ihren besten Jahren, schreibt Price dennoch mit der einstudierten Präzision einer modernen Americana-Songwriterin; Selbst wenn sie explizit autobiografisch wird, wie sie es beim Eröffnungsstück „Hands of Time“ tut, spielt es sich nicht wie ein aus der Seele gerissenes Geständnis ab, es spielt sich als Poesie ab. Wenn sie die Schrauben fester anzieht, damit ihr Song zu etwas Glattem wird, spielt er sich nicht mit der Präzision von Music City ab, sondern fühlt sich versiert und persönlich an und überrascht mit seinem leichten Hauch von Funk und Price‘ klarer, klagender und kraftvoller Stimme.

„This Town Gets Around“ würde klanglich auf einer Outlaw-Country-Jukebox der 1970er zu Hause sein, aber lyrisch spießt es perfekt die Boys-Club-on-a-Conference-Call-Atmosphäre der heutigen Industrie auf. Die erste Single „Hurtin’ (On the Bottle)“ ist Honky-Tonk-Herzschmerz vom Feinsten.  Price greift die Oberflächlichkeit von Music Row an und streckt einem Ex-Liebhaber einen fröhlichen Mittelfinger entgegen, alles zur Melodie von Honky-Tonk-Rhythmen, weinenden Geigen und Barroom-Lap-Steel-Gitarre. Unter der stürmischen Frechheit und dem Zynismus funkelt ein zarter Mensch, der noch alte Wunden pflegt. 

„I killed the angel on my shoulder with a fifth of Evan Williams when I found out you were never coming home,“ singt sie in „Since You Put Me Down“ mit einer Offenheit, die man im modernen Country-Radio selten hört. Nach Jahren des Kellnerns und Wartens auf ihren großen Durchbruch muss Price nur noch auf haufenweise Auszeichnungen und Anerkennung warten.

8.0