Margaret Glaspy – Emotions and Math

Indie Rock, VÖ: Juni 2016
MARGARET GLASPYs Debüt ist eine perfekte Verbindung zwischen Stimme und Gitarre. Es ist eine Beziehung, die für die Sängerin und Songwriterin aus Brooklyn die ideale Grundlage für die Selbstanalyse darstellt.

Diejenigen von uns, die Margaret Glaspy’s Entwicklung in den letzten Jahren anhand einer Reihe selbstproduzierter Live-Auftritte auf YouTube verfolgt haben, werden ihr lang erwartetes Major-Label-Debüt vielleicht als einen Schock empfinden. Ihren klaren, gefühlvollen Gitarrenpop zu verschmutzen, ist ein ebenso mutiger wie kluger Schachzug: „Emotions and Math“ wird von Mut und List angetrieben. Glaspy’s lyrisches Auge ist unerschütterlich und ein Großteil dieser Platte dokumentiert starke Selbstzweifel, gepaart mit einer Reihe von Vorwürfen, bei denen es sich um tote Augen handelt. „Emotions and Math“ wurde aus jahrelang gesammeltem Material zusammengestellt und setzt Zeit und Chronologie außer Kraft, während die 27-jährige Songwriterin durch die Sackgassen, billigen Versprechungen und Fehlstarts des jungen Erwachsenseins navigiert. 

In einem Moment stampft sie auf die verblassende Glut einer gescheiterten Affäre; Im nächsten Moment sehnt sie sich nach genau den Erinnerungen, die sie so glücklich aufgegeben hat. Glaspy spielt mit diesen emotionalen Widersprüchen und stellt von Song zu Song Nostalgie und Angst einander gegenüber. Wie sie es ausdrückt: „Why remember all the times I took forever to forget?“ Das Album wurde von Shawn Everett gewagt gemischt und hat eine seltsame Intensität, die oft das nachdenkliche, zurückhaltende Bild widerlegt, das sein Schöpfer vermittelt. Bewaffnet mit einem übersteuerten Telecaster und einer eigenwilligen, halb gemurmelten Gesangsdarbietung tanzt Glaspy flink zwischen warmem, buchstäblichem Konfessionalismus und nervösen Stichen wilder Energie in Form von bluesigen Gitarrenlicks und heiseren, Fiona Apple-artigen Knurren und Beschwörungsformeln. 

Da die muskulöse Rhythmusgruppe und ihre clevere Gitarrenarbeit den größten Teil des Gewichts ausmachen, führt sie im Wesentlichen ein Power-Trio durch eine Reihe intimer, manchmal neurotischer, nach innen gerichteter Melodien, die weitaus selbstbewusster sind, als ihre Texte manchmal vermuten lassen. Auf dem gesamten Album wird eine schöne Balance zwischen salzig und süß gefunden, wobei der kraftvolle, melodische Schwung des Titelsongs und der zweiten Single „You and I“ für einige der salzigeren Momente sorgt und Balladen wie „Anthony“ und „Black Is Blue“ daher umso süßer klingen. Glaspy entzieht sich jeder einfachen Kategorisierung und dieses solide, klug geschriebene Debüt ist ein Beweis für ihren Sinn für Handwerk.

8.0