Margaret Glaspy – Devotion

Indie Pop, VÖ: März 2020
Beim Nachfolger des 2016 erschienenen Debüts Emotions and Math tauscht MARGARET GLASPY ihren Indie Rock gegen umfangreicheres, Synthesizer-basiertes Material ein.

Margaret Glaspy’s zweites Album beginnt mit einem kurzen Vocoderstoß, der an den aussagekräftigen Anfang von „Oh, What a World“ erinnert, einem Highlight aus Kacey Musgraves‘ Album „Golden Hour“ aus dem Jahr 2018. Der Synth-Country-Blockbuster von Musgraves lieferte eine Vorlage dafür, wie Roots-Songwriterinnen moderne Pop-Ambitionen anstreben können, ohne dabei auf Songqualität zu verzichten. „Devotion“, das neueste Werk der New Yorker Singer-Songwriterin Glaspy, ist eines der ausgereiftesten Werke, das nach „Golden Hour“ herauskam. Glaspy reißt nicht so sehr ab, erweitert und baut auf dem warmen Siebziger-Folk-Rock ihres wunderbaren Debüts „Emotions and Math“ aus dem Jahr 2016 auf und integriert Drum-Loops in eine mühelose Mischung aus schwungvollem Indie-Pop und Industrial Noise.

„Anybody with a pulse, or even half a heart, has a reason to be foaming at the mouth“, singt Glaspy auf „Angry Again“, einer kraftvollen Fackelballade im Stil der Fünfziger über die Lähmung durch die eigenen Emotionen. An anderer Stelle beginnt „You’ve Got My Number“ mit glitzernden Synthesizern, die am Ende einer Seite wie eine Schallplatte hüpfen, und Glaspy intoniert den Refrain mit zurückhaltender Zurückhaltung, während gurgelnde Elektronik mit lauter übersteuerter Gitarre vermischt wird. Das steht im Gegensatz zu der eher intellektuellen Denkweise, die Glaspy gerne präsentiert, aber „Devotion“ als Ganzes ist eine Studie der Kontraste. 

Da ist das offensichtliche Klangelement, wenn Glaspy die Band-in-a-Box-Optionen von Softwareprogrammen mit Live-Instrumenten auf eine Weise mischt und kombiniert, die sich nahtlos und natürlich anfühlt und einem Sound Tiefe verleiht, der bei „Emotions and Math“ manchmal etwas trocken war. Das ist hier kein Problem: „Devotion“ ist eine reich strukturierte Sammlung, egal ob sie bei „Young Love“ verträumt über Schlagzeug und sanft pulsierenden Synthesizern sinniert oder bei „What’s the Point“ ihrer Frustration über eine bombastische Mischung aus dröhnender Elektronik und bissiger Gitarre Luft macht. 

„Devotion“ entstand im Gefolge ihrer innovativen Vorgänger, ist aber nicht ganz hymnisch genug, um an die Spitze zu gelangen. Das Album beleuchtet dennoch eine andere Seite von Glaspy und fängt immer noch ihr Gespür für die Normalisierung bestimmter persönlicher Emotionen ein.

7.0