Mammút – Kinder Versions

Indie Rock, VÖ: Juli 2017
KINDER VERSIONS von MAMMÚT ist eines dieser kostbaren Kunstwerke, das brandneu ist, sich aber anfühlt, als wäre es schon immer hier gewesen.

Von Anfang an ist klar, dass „Kinder Versions“, das erste englische Album der isländischen Rockgruppe Mammút, gegen Zurückhaltung ist. Es ist schwer, Referenzpunkte zu finden, die die schiere Breite seiner Errungenschaften nicht einschränken: Musikalisch hat es Elemente von Prog oder 70er-Female-Fronted-Hardrock, doch finden sich auch Hinweise auf die legendäre isländische Band Sugarcubes auf der Platte als Ganzes, obwohl sich Kata’s Stimme linearer bewegt, erreicht sie oft ein fast identisches Timbre wie die einzig wahre Björk. Aber vor allem ist „Kinder Versions“ ein Rückblick auf die 90er und sehr frühen Nullerjahre. Mammút erinnern sich oft an die Balladen der frühen Cardigans, die duftenden Melodien von Mazzy Star, den bezaubernden Folk-Pop der Pierces. Mit etwas mehr Geschwindigkeit könnten die sich webenden elektrischen Akkorde von „Pray for Air“ perfekt auf eine klassische Hole-Platte passen.

Im Herzen von Mammút stehen drei Frauen, Sängerin Katrina ist die Tochter von Birgir, die in Björk’s Post-Punk-Band Kukl war. Wenn sich einige von uns dadurch alt fühlen, ist ihre Stimme so elektrisierend, dass Sie Jahre davon abhalten wird – selbst wenn sie so typisch isländische, beiläufig philosophische Texte singt wie: „I’m afraid to die… but it’s okay.“ Björk-Vergleiche wird es reichlich geben – aber die Band stellt sich der Herausforderung, Musik zu machen, die groß genug ist, um sie aufzunehmen. Jeder Track hat reichlich Farbe und Struktur, ohne dabei den Kontakt zum Nevensystem zu verlieren. „The Moon Will Never Turn On Me“ ist schlau und extravagant zugleich: „Oh the truth must be funnier than this“, singt sie. „Breathe Into Me“ ist eine geschickte Sehnsucht; „Pray For Air“ ist verzweifelt vor Verlangen. Wir können ihre emotionale Legitimität spüren. Mammút ist eine vulkanische Naturgewalt.

7.7