Madison McFerrin – I Hope You Can Forgive Me

Alben der WocheR&BSoul, VÖ: Mai 2023
In I HOPE YOU CAN FORGIVE ME erhebt sich MADISON MCFERRIN aus ihrem Grab und tanzt zusammen mit Freunden darauf – eine Erinnerung daran, dass der Abschluss eines Kapitels eine Gelegenheit zum Feiern und zur Wiedergeburt ist.

Nachdem sie von 2016 bis 2019 ein paar A-Capella-Extended-Stücke und eine von Taylor McFerrin unterstützte dritte EP herausgebracht hatte, versuchte sich die Sängerin Madison McFerrin im Jahr 2020 an der Produktion und veröffentlichte Ende des Jahres ihre vielversprechende erste selbstproduzierte Single. Mit „I Hope You Can Forgive Me“ folgt nun die erste eigene Platte. Es handelt sich um ein prägnantes Debütalbum, das McFerrin, mit Ausnahme einiger von Biako oder Andrew Lappin unterstützter Titel, selbst produziert hat und das auch ihre Bandbreite als Sängerin und Texterin zeigt. „I Hope You Can Forgive Me“ stellt zugleich eine Weiterentwicklung ihrer Karriere dar, da sie inmitten einer sich ständig verändernden globalen Landschaft Wege findet, zu improvisieren und selbst zu produzieren.

Der groovige, gefühlvolle Song „Stay Away (From Me)“, bei dem sie hypnotische, tanzbare Instrumentals kunstvoll mit Texten kontrastiert, thematisiert die Unsicherheit unserer Zeit und ihren inneren Kampf mit der Angst. Mit „(Please Don’t) Leave Me Now“ liefert die Sängerin weiterhin ätherische Gesänge und wohlklingende Melodien sowie eine entzückende Mischung aus Elektronik, Pop, Jazz und Soul mit unbestreitbarer Technik und ausdrucksstarker Tiefe. Ihre Angst zeigt sich ebenfalls in Liedern wie „Utah“, in dem eine Debatte darüber, wo man leben soll, die erdrückende Spannung in einer Beziehung widerspiegelt.

In „Omw“ bittet sie eine andere Person, weiterzumachen, weil sie ihre eigene Zeit und ihren eigenen Raum haben möchte. Aber McFerrin besteht auch darauf, dass andere ihren Wert anerkennen: „You gon see me and believe in God herself.“ „Run“ und das nachfolgende „God Herself“ könnten thematisch kaum unterschiedlicher sein. Ersteres wurde geschrieben, nachdem McFerrin von einem Vorfahren erfuhr, der der Sklaverei entkommen war, und wird aus der Perspektive eines wachsamen Abolitionisten gesungen. Was folgt, ist ein höchster Akt der Selbstsicherheit. Sogar diese beiden Lieder ergeben zusammen einen Sinn, da sie entweder größtenteils oder vollständig A-Capella sind – ein Hochgenuss für ihre Fans der ersten Stunde.

Die verschwommene Wärme der Produktion des Albums verleiht ihm eine Retro-Atmosphäre, aber die Kompositionen sind trotz ihrer Anspielungen auf die Vergangenheit fest in der Gegenwart verwurzelt. McFerrin macht auf ihrem Debüt alle Widersprüche komplementär.

8.9