Lydia Loveless – Somewhere Else

Country, VÖ: Februar 2014
Die selbstzerstörerische Ader von LYDIA LOVELESS macht SOMEWHERE ELSE sowohl zu einem erfrischenden als auch zu einem zutiefst erschütternden Hörerlebnis.

Wir mögen Leute wie Lydia Loveless, weil sie sagen, was zum Teufel sie wollen. Aber bei ihr ist es keine Spielerei; Sie verlässt sich nicht auf den Schockwert. Es gibt einfach ungefilterte Momente, wie im Eröffnungsstück „Really Wanna See You“, in dem sie davon singt, wie sie auf eine Party geht, jemanden einen bläst, weint und schließlich jemanden anruft, den sie nicht sollte. Normalerweise teilen die Leute diese Dinge nicht, können sich aber durchaus damit identifizieren. Lieblos ist furchtlos. Es war unvermeidlich, dass Loveless dieses Album machen würde. Seit dem 2010 erschienenen Durchbruch mit dem polierten Retro-Country-Touch „The Only Man“ beschäftigt sich die 23-Jährige langsam mit Powerchords und Verzerrungen. Mit einer anmutigen und schrittweisen Veränderung hat Loveless den Weg zu einem unverwechselbaren Sound geebnet. Auf „Somewhere Else“ trifft sie den Spannungsbogen zwischen ihrer Herkunft und ihrem Ziel.

Loveless stammt aus Columbus, Ohio, und ist bisher das sichtbarste Mitglied einer sehr musikalischen Familie: Beide Schwestern sind in lokalen Gruppen, und bevor sie ihn feuern musste, spielte ihr Vater Schlagzeug in ihrer Begleitband. Nach einem raffinierten Debüt und einem eher ländlich geprägten Nachfolger bei Bloodshot Records klingt „Somewhere Else“ wie der lyrische und musikalische Höhepunkt einer kurzen Karriere, die sie damit verbracht hat, sich mit den Konventionen des Alt-Country auseinanderzusetzen. Das Album geht mehr Risiken ein als seine Vorgänger und präsentiert einen rauen Bar-Band-Sound, der auf den Twang zugunsten von Stachelgitarren und lautstarkem Rock-Grollen verzichtet. Loveless und ihre Band erinnern an die Westküsten-Cowpunk-Attitüde von Künstlerin wie Lone Justice aus den frühen 80ern und an die sexuelle Offenheit der Glanzzeit von Liz Phair.

Das einzige Problem bei „Somewhere Else“ besteht darin, dass es der Instrumentierung ein wenig an Fantasie und Vielfalt mangelt, insbesondere bei der Gitarrenarbeit, wenn man das Projekt als Ganzes betrachtet. Es handelt sich lediglich um eine Menge Akkordklimpern, die im Laufe des Albums viele der gleichen Töne in den Songs hervorrufen, die größtenteils um dieselben Tonarten herum zu schweben scheinen. Kein bestimmtes Lied ist es wert, bestraft zu werden; Tatsächlich funktionieren sie alle für sich genommen ganz gut. Abgesehen von diesen spezifischen Bedenken zeigt Lydia Loveless große Reife, Tiefe und Vielfalt in ihrem Songwriting, das alle Mängel wirklich durchleuchtet und „Somewhere Else“ zu einem Projekt macht, das es auf jeden Fall wert ist, gehört zu werden.

8.0