Lucy Rose – No Words Left

Folk, VÖ: März 2019
NO WORDS LEFT ist auf eine Weise melancholisch, die nachvollziehbar und roh wirkt. LUCY ROSE weiß, dass sie eine Sammlung trauriger Lieder geschrieben hat, und anstatt gegen die Neigung anzukämpfen, nimmt sie sie an.

„Conversation don’t come easy“, singt Lucy Rose leise im Eröffnungstrack ihres neuen Albums. „But I’ve got a lot to say.“ Gitarrenspiel erfüllt den Raum des Tracks „Conversation“, begleitet von subtilen Streichern, während Rose mit ihren Gefühlen für einen Liebhaber ringt, nach dem sie sich trotz Bedenken sehnt. „No one makes me high like you do… no one lets me down like you do.“ Es ist der perfekte Start für das sanfte, aber markante Album „No Words Left“ der in England lebenden Folk-Künstlerin. Meisterhaft gemischt, wirkt die grundlegende Ästhetik des Albums reduziert – mit Schwerpunkt auf Klavier- und Akustikgitarrenparts neben Rose’s an Joni Mitchell und Laura Marling erinnernden Gesängen – aber mit der zusätzlichen Farbe von Blechbläsern und Streichern, die die Komposition aufwerten.

Die Produktion konzentriert sich mehr auf Textur und Intensität als auf offensichtliche stilistische Wegweiser: Das Ende von „Solo (W)“, einem verlassenen Song mit der Integrität einer frühen Ballade von Kate Bush, scheint vor Sehnsucht zu blühen, während sich in „The Confines of This World“ ein silbriger Glanz regt, in dem Rose der E-Gitarre allmählich Abgehacktes und ihrer Stimme Biss verleiht, um ihren inneren Aufruhr auszudrücken. Die fließenden, intuitiven Arrangements lassen ihre Melodien erstrahlen – der taumelnde Refrain von „Save Me from Your Kindness“ vermittelt ihr pures Gefühl der Trostlosigkeit – und lassen Raum für ihre zaghafte Darbietung, die eher als ansprechendes Merkmal denn als Mangel wirkt.

Das Licht beginnt in „Just a Moment“ durchzusickern, einem Instrumentalstück in der Mitte des Albums, das mit weicher, sanfter Gitarre, Bandrauschen und dem Knarren und Kratzen einer sich bewegenden Welt wie die Morgendämmerung klingt. Und in einer Zeit, in der jede Künstlerin über ihre Ängste singt, fällt die Offenheit ihrer Eingeständnisse auf: „I’m terrified that these things won’t ever change, for all of my life“, singt sie in „Treat Me Like a Woman“, einem Song, der einen mitreißt und die Nerven behält. In „Song After Song“ gesteht sie, dass der Trost einer Freundin an ihren anhaltenden Minderwertigkeitskomplex verschwendet ist. Das düstere und schöne „No Words Left“ sollte dazu beitragen, diesen Komplex etwas zu lindern.

8.5