London Grammar – If You Wait

PopSynth Pop, Juli 2013

Da wurden Träume wahr: Seit sie sich ihrem Publikum Ende letzten Jahres mit den beiden Songs ‚ Hey Now ‚ und ‚ Metal & Dust ‚ selbst vorstellten, haben London Grammar bei Musikfans im Vereinten Königreich und darüber hinaus sehr schnell das Interesse geweckt. Die Tracks katapultierten Hannah Reid, Dot Major und Dan Rothman direkt in das strahlende Rampenlicht und nicht zuletzt durch diese Umstände entstand daraus ebenso rasant ein neuer Hype um das Trio aus Nottingham. Diese ganzen Ereignisse liegen nun schon ein knappes Jahr zurück und dementsprechend schwer war es für London Grammar, unter den ständigen Prüfungen und kritischen Augen Ihrer zahlreichen Beobachter nicht einzuknicken. Glücklicherweise haben London Grammar auf Ihrem bestehenden Sound aufgebaut und daraus einen prächtigen Reigen aus Temperament und Melodien geschmolzen, die als integralen Bestandteil die prächtige Stimme von Reid in sich tragen. Die Vergleiche zur britischen Indie-Pop Band The XX oder zu den früheren Everything But the Girl liegen nicht so weit entfernt, aber London Grammar haben auch für sich selbst eine wahrlich einzigartige Vision geschnitzt, die auf Albumlänge zwar keine neuen Überraschungen in sich trägt, dafür aber die wilden Experimente etabliert und die fragile Ehe zwischen den grazialen Klängen des Klaviers und dem knapp bemessenen Schlagzeug festigt. ‚ If You Wait ‚ ist das Ergebnis achtzehn arbeitsreicher Monate des intensiven Schreibens und der Aufnahmen. Die Band hat sich bei sämtlichen Entscheidungen für das Album stark eingebracht und suchte auch ihre Mitstreiter sorgfältig aus. Dies mündete in einer engen Zusammenarbeit mit den Produzenten Tim Bran (The Verve, Richard Ashcroft, La Roux) und Roy Kerr alias The Freelance Hellraiser. Für die Abmischung des Albums holten sie sich KD von Roc Nation (Outcast, Beyoncé, Jay-Z) und das Mastern übernahm Tom Coyne. ‚ Wasting My Young Years ‚ kann ohne Zweifel als Höhepunkt der Platte bezeichnet werden. Eindrucksvoll erklingen die sanften Melodien zu herzzereißenden Zugeständnissen, „Don’t you know that it’s only fear/ I wouldn’t worry, you have all your life/ I’ve heard it takes some time to get it right“. Es ist auch ein stiller Appell an die alarmierende Lage der arbeitslosen jungen Erwachsenen in einer gnadenlosen Wirtschaft. Und wo auch immer Reid mit Ihrer Stimme auftaucht, da brennt es wie ein Leuchtfeuer in der dramatischen Ruhe spärlich emotionaler Landschaften. Schlussendlich ist ‚ If You Wait ‚ ein spannendes, atemberaubendes und tiefgehendes Album geworden, durchzogen von nachdenklichen, melancholischen Balladen, nächtlichen Rhythmen und atmosphärischen Klängen zu Sehnsüchten und Wünschen eines Jugendlichen. Ein Debütalbum für lange Winterabende, ein Album voller Hoffnung und zerbrechlicher Träume. „I’ve heard it takes some time to get it right.“

9.3