Lola Kirke – Lady For Sale

In LADY FOR SALE geht es um Selbstliebe und darum, seinen Wert zu finden, sich abzustauben, wenn man niedergeschlagen wurde, und auf den Füßen zu landen, wenn man es erneut versucht. Es ist dieser strahlende Optimismus und Hunger nach einer guten Zeit, der das, was LOLA KIRKE tut, so aufregend macht.

Mit „Lady for Sale“ vervollständigt Lola Kirke ihre Verwandlung vom umjubelten Film- und TV-Liebling zur charismatischen Country-Pop-Chanteuse. Das Album folgt ihrem fesselnden Debüt „Heart Head West“ aus dem Jahr 2018 und gemeinsam mit dem Instrumentalisten/Produzenten Austin Jenkins legt Kirke die Messlatte für „Lady for Sale“ höher und kreiert kraftvolle, retro-orientierte Songs, die sich anfühlen wie die Art von polierten Country-Pop-Künstlern wie Dolly Parton und Juice Newton, die sich damit in den 1980er Jahren hervorgetan haben. Tracks wie „If I Win“ und „Pink Sky“ sind eingängige Hymnen, die ihre warme Whisky- und Lollipop-Stimme mit hyperfarbigen Synthesizern, schrillen E-Gitarren und einer Mischung aus echter und analoger Percussion umrahmen. An anderer Stelle erinnern Stücke wie „Stay Drunk“ und „Fall in Love Again“ an den schimmernden, im Sonnenuntergang tanzenden Stil von Fleetwood Mac.

Textlich bewegt sich Kirke in der obersten Reihe der Texterinnen. Selbst Verweise auf außerirdische Verschwörungstheorien von fragwürdigen Liebenden, die das nihilistische Zitat „fuck the world“ auf „The Crime“ etwas zu ernst nehmen, geben uns erst einen Tritt und einen Schlag, bevor der Kuss und das Augenzwinkern kommen. Der Titelsong „Lady for Sale“ enthält ein fröhliches, ausgedehntes Gitarrenriff, das zu Synth-durchnässten Gesängen ausklingt. Wie der Albumtitel zeigt auch die Bildsprache hier Lola, die glänzende Dollarzeichen über ihren Brustwarzen trägt, was den Wert einer Frau und den männlichen Blick noch einmal betont. „Pink Sky“ lässt uns optimistisch in die Welt blicken, echte, natürliche Gesänge, die mit dem feinen Country-Einschlag harmonieren. Mit „By Your Side“ folgt eine beschwingte, finale, langsam brennende Atmosphäre, die perfekt ist, um das ansonsten optimistische Album abzurunden und dunklere Einblicke in die Realität der Liebe zu geben.

Lola’s Stimme ist reich, kompetent und in tieferen Landgewässern verankert. Ihre Backup-Sängerinnen sind blendend und auch die Mehrheit der Melodien ist eingängig und es gibt nichts, was diese Veröffentlichung nach unten zieht – außer dem Synthesizer. Country-Musik und Synthesizer passen nicht so gut zusammen. Country ist hausgemacht und Synthesizer sind technologieverletzender Sound in einem auf Americana basierenden Genre. Zu viel Zucker in einer zu großen Tasse Kaffee. Letztlich bleibt aber der nachhallende Eindruck der stimmlichen Vielfalt im Gedächtnis hängen, die Ms. Kirke zweifelsohne besitzt.

7.0