Lizzie No – Halfsies

AmericanaFolk, VÖ: Februar 2024
HALFSIES ist das dritte Album von LIZZIE NO, einer Singer-Songwriterin, Harfenistin und Gitarristin aus Brooklyn, die ihre Erfahrungen als queere, schwarze Frau in der Country-Musik thematisiert.

Mit ihrem dritten Album verspricht die in der Bronx geborene Singer-Songwriterin Lizzie No „an apocalyptic journey from exile to liberation“ – ein mutiges Versprechen. „Halfsies“ ist sicherlich ein Album voller musikalischer Kontraste: auf der einen Seite die Hektik von „Getaway Car“ oder „Lagunitas“, auf der anderen Seite die sanfte, zarte Schönheit von „Mourning Dove Waltz“ oder „The Heartbreak Store“. Von Folk bis Rock und wieder zurück ist dies ein betörendes Album, das hart und zart und voller hinterhältigem Humor ist. Als Kind sang sie im Kirchenchor und spielte Harfe. Dann entdeckte sie Bob Dylan, wie es zwangsläufig jeder tut – obwohl seine Lieder im Allgemeinen nicht für Harfe arrangiert werden.

Allein diese Fakten geben einen großen Hinweis auf den Eklektizismus von Lizzie No, deren Musik den Einfluss von Folk, Blues und Country in ihrer eigenen Version von „Americana“ vereint, diesem mittlerweile allgegenwärtigen Portmanteau-Genre, das immer ein Ausweg zu sein scheint. Aber wie Rhiannon Giddens passt Lizzy No – die Bluegrass, Minnie Riperton und Ravel nur in einem Satz ihrer Notizen erwähnt – nirgendwo rein und ist wahrscheinlich auch nicht daran interessiert. „Genre“ ist im Kern ein Marketingkonzept und daher reduktiv. No ist eine bekannte und talentierte Harfenistin, aber überraschenderweise fehlt dem Album oft dieses spezielle Instrument. 

Ihre Live-Shows werden meist solo gespielt und begleitet sich selbst auf der Harfe oder der Gitarre, aber auf „Halfsies“ spielt sie nur Harfe bei „Deadbeat“ und „Mourning Dove Waltz“. Die Gitarre in „The Heartbreak Store“ ist sanft, während „Lagunita“ treibend ist; Bei sanften Klängen verwendet No die Metapher eines mystischen Pfandhauses, um das Weitergehen zu verarbeiten: „So if you’re hurting, crying, lying on the bedroom floor/ Come on down to the heartbreak store/ Bring your memories; his house keys can’t stay on the ring no more/ Sell ‘em all at the heartbreak store.” Bezeichnenderweise sagt sie jedoch noch nicht, dass sie bereit ist, loszulassen: 

„If I can’t fall out of love, at least I’ll set it down“, singt sie. No findet im „Heartbreak Store“ eine Art Freiheit, auch wenn es nicht die Art ist, die sie sich wünscht. No plädiert dafür, Country-Radio bis auf die Grundmauern niederzubrennen. „Halfsies“ verdeutlicht, was sie meint: Es geht über das Genre hinaus und opfert niemals die kalte, harte Wahrheit. No verankert sich inmitten ausdrucksstarker Trommeln, trauriger Gitarren und einem Streichquartett, das an den alten Nashville-Sound erinnert und gleichzeitig neue Grenzen erkundet. „Halfsies“ ist schlicht, umwerfend und eine Einladung in Lizzie’s Universum.

8.1