Liz Phair – Exile in Guyville

Classic AlbumsIndie Rock, VÖ: Juni 1993
LIZ PHAIR ist eine Rebellin, und wenn alles gut geht, auch eine Pfadfinderin, was vor allem deshalb nicht sicher ist, weil die Handlungen und Einstellungen, die sie zu einer Rebellin machen, so normal sind.

Die klirrende und rumpelnde Gitarre auf dem Debüt „Exile in Guyville“ ist so gestaltet, dass sie kapriziös klingt, während Liz Phair’s selbstbewusst aus dem Gleichgewicht geratene Stimme wie eine Poetry-Slam-Gewinnerin rüberkommt, die mit ihrer letzten Strophe unzufrieden ist. Trotz seiner Low-Fi-Produktion streift „Exile in Guyville“ schwindlig durch die Poplandschaft. Auf „Fuck and Run“ schafft es Phair, die in Chicago lebt, sowohl wehmütig als auch angepisst zu klingen. Auf „6’1″“ und „Mesmerizing“ schlägt sie Akkorde an, die Keith Richards bewundern könnte. Folk-Stimmungsstücke („Dance of the Seven Veils“) und gruselige Piano-Nocturnes („Canary“) treffen auf Dialoge im Patti-Smith-Stil („Flower“) und psychedelische Whiteouts („Gunshy“).

Wenn „Exile in Guyville“ für ein Debütalbum erschreckend sicher und ausgereift ist, gibt es dafür mehrere Gründe. Am hervorstechendsten ist, dass viele der Songs ursprünglich auf Liz Phair’s selbstgemachter Kassette Girlysound aufgenommen wurden, was bedeutet, dass die Songs im Wesentlichen das Beste vom Besten einer außergewöhnlich talentierten Songwriterin sind. Phair schreibt kraftvolle Riffs, die ihre rudimentäre Gitarrentechnik überflüssig machen – ihr überwiegend Midtempo-Material schneidet wie eine Haifischflosse durch die Brandung. Es ist vor allem ihr Gesang – in einer Minute zart, in der nächsten wild – der „Exile in Guyville“ zum Knistern bringt.

Jeder dieser 18 Songs behält dieses hohe Qualitätsniveau bei und präsentiert eine Sängerin mit immenser Fantasie, musikalisch und textlich.

9.7