Lily & Madeleine – Canterbury Girls

PopRock, VÖ: Februar 2019
Ein Teil der schönen Balance, die das Album trägt, resultiert aus den Texten von LILY & MADELEINE, die oft physische Metaphern gleichen und einer verträumten, ätherischen Produktion gegenübergestellt werden.

Das Albumcover für das vierte Album von Lily & Madeleine mit dem Titel „Canterbury Girls“, zeigt die Jurkiewicz-Schwestern, wie sie vor einem lila und grau wirbelnden Himmel posieren. Das Foto von Fairlight Hubbard ist verträumt und modern, aber auch nachdenklich: Die verschwörerischen Blicke von Lily & Madeleine suggerieren eine so abgeschottete und starke Verbindung, dass sie fast nicht anders können, als die Welt mit vorsichtiger Skepsis zu betrachten. Und Skepsis macht Sinn. Die Texte beschreiben ihre Frustration über ungesunde Beziehungen, schlechte Freunde und ihre eigenen schädlichen Impulse. Wenn das Artwork des Albums ein emotional komplexes Album suggeriert, liegt das daran, dass es so ist. Der Titel des Albums bezieht sich auf einen Park in Indianapolis, den Lily & Madeleine Jurkiewicz als Jugendliche besuchten, und offenbart eine Sehnsucht nach Teenager-Wunschträumen und einer vergangenen Zeit. Im Laufe von 10 Songs durchforstet das Duo Erinnerungen auf der Suche nach einem Anschein von Beständigkeit und greift nach den schlüpfrigen Mehrdeutigkeiten, die aus dem Nebel von Reue und unerwiderter Liebe auftauchen.

„Canterbury Girls“ signalisiert eine dramatische Veränderung, ihre atemberaubenden Harmonien, die jetzt von üppigen Streichern, Drumcomputern, Elektronik und Disco-Glitzer unterstützt werden. Der Eröffnungstrack „Self Care“ und Lily’s melancholische Pianoballade „Bruises“ gehen emotional in die Tiefe. Da das Duo jetzt Abba und Heart so ansehen, wie sie einst Joni Mitchell ansahen, gibt es einige große Pop-Momente. „Supernatural Sadness“ verbindet Herzschmerz mit pulsierenden Disco-Beats. „Pachinko Song“ greift auf den Synthie-Pop der Achtziger zurück. Und angesichts der Tatsache, dass Lily & Madeleine aus Indiana stammen, dem US-Bundesstaat, der uns The Jackson 5 beschert hat, ist es keine Überraschung, eine bemerkenswert selbstbewusste Motown-Hommage in „Can’t Help The Way I Feel“ zu hören. Ein weiteres Juwel auf dieser Platte ist „Analog Love“. Es hat eine nachdenkliche Stimmung, besonders diese Gitarren, sowohl akustisch als auch elektrisch. Da das Sommergefühl so weit weg ist, lässt einen dieses Lied von diesen warmen Tagen träumen. Das Album endet mit dem eindringlichen Piano-dominierten Song „Go“. Ebenso eindringlich sind die Texte zu einem scheinbar sehr persönlichen Song.

„Canterbury Girls“ gelingt es immer noch, Lily & Madeleine’s bisher persönlichstes und zusammenhängendstes Werk zu sein, aber die Geschwister wirken allzu oft so, als würden sie sich nur ungern loslassen und sich in die Musik fallen lassen.

7.7