Laurel Halo – Dust

ElectronicExperimental, VÖ: Juni 2017
Obwohl sich DUST oft wie ein Traum anfühlt, wird man dennoch immer wieder an seine Komplexität und LAUREL HALOs tiefe Kenntnis der musikalischen Sprache erinnert.

Nachdem Laurel Halo klassisch ausgebildet wurde und einige Zeit in Free-Jazz-Ensembles und als DJ für Berlin Community Radio verbracht hatte, gelang ihr der Durchbruch mit dem bahnbrechenden Avant-Pop-Album „Quarantine“ aus dem Jahr 2012, einem aggressiven Einstieg, der von vielen als eines der besten Alben des Jahres gefeiert wurde. Im darauffolgenden Jahr verzichtete das Nachfolgealbum „Chance Of Rain“ weitgehend auf den Gesang, der erst später auf der Doppel-EP „In Situ“ wiederkehrte. Trotz ihres gebannten Blicks auf die Tanzfläche behielten diese Veröffentlichungen die Verträumtheit ihres Debütalbums bei und webten surreale Atmosphären in und zwischen starr programmierten Beats.

„Dust“ stellt eine fachmännisch gefertigte Mischung aus allem dar, die stotternde elektronische Beats mit experimenteller Jazz-Percussion, manipuliertem Spoken Word mit reichhaltiger Gesangsharmonie und sattem Subbass mit Leinwänden aus Mallet-Instrumenten und Saxofon verbindet. Das Album beginnt mit Halo’s Stimme bei „Sun to Solar“. Über schlüpfrigen Rhythmen und verkehrten Synths singt sie halb eine Adaption von „Servidão de Passagem“, einem Werk des brasilianischen Dichters Haroldo de Campos aus dem Jahr 1962: „Stacked man, sacked man/Served and swallowed/Sun to salt, island man/Socko sick, who’s hangman.“ 

Halo verarbeitet ihre Worte bis zur Unkenntlichkeit und verwischt sie mit dem hypermelismatischen Gesang des britischen Sängers und Collage-Pop-Künstlers Klein, einem der vielen Gäste bei „Dust“. Es ist ein verwirrender Ausgangspunkt für ein Album, das in Unbestimmtheit schwelgt. „Jelly“ ist so schlüpfrig, wie der Titel vermuten lässt, ein Dance-Pop-Song, dessen Zutaten über den Boden verschüttet wurden. Dies ist ein Triumph des Impressionismus, bei dem das Digitale und das Organische in einem radikal schönen Ganzen nebeneinander existieren.

8.8