Laura Marling – Short Movie

FolkFolk Rock, VÖ: März 2015
Das Beste auf SHORT MORVIE, dem fünften Studioalbum von LAURA MARLING, klingt, als ob es an den schmerzlichsten Orten entstanden wäre.

Im Jahr 2013 sprach Laura Marling über ihren Rückzug aus der Musikindustrie. Sie war 23 Jahre alt und hatte seit der Veröffentlichung ihres erstaunlich selbstbewussten Debütalbums „Alas I Cannot Swim“ im Jahr 2008 nicht mehr den Boden berührt. Drei Alben später wurde sie als die größte Songwriterin ihrer Generation gefeiert. Doch sie war erschöpft und machte sich auf den Weg nach Amerika, wo sie die Musik tatsächlich für eine Weile aufgab. Zwei Jahre lang wanderte sie umher und bewarb sich um Jobs in Cafés. Sie hing mit „mysterious, fleeting people“ ab: Sektenmitgliedern, Süchtigen, Hippies und professionellen Landstreichern.

Als Marling wieder zur Gitarre griff, kanalisierte die Königin der Nu-Folk-Szene diese seltsame und verzweifelte Energie, indem sie elektrisch wurde. Es ist eine kraftvolle Entwicklung. Es bedarf eines seltenen Rockgitarristen, der uns daran erinnert, dass Elektrizität eine potenziell gefährliche Naturgewalt ist, aber Marling’s neuer Sound erinnert an die seltsame, dunkle Erregung eines niedrigen Himmels vor einem Sturm. Manchmal klingt es eher so, als hätte sie ihre Gitarre an eine brütende Gewitterwolke angeschlossen, als an eine künstliche Steckdose. 

Im gesamten „Short Movie“ verzichtet Marling weitgehend auf die dichten figurativen Schichten – die mythologischen Bezüge und anhaltenden Metaphern – die ihren emotionalen Konfessionalismus auf dem vorherigen Album „Once I Was an Eagle“ verschleierten. Stattdessen ist ihre Stimme direkt und ungefiltert und verleiht dem „existential meltdown“ (ihre Worte), den sie während ihres Aufenthalts in Los Angeles erlebte, detaillierte erzählerische Konturen. Während die wummernde Wucht mancher Songs berechtigterweise ein wesentlicher Gesprächsstoff für dieses Album ist, sind einige der eher gedämpften Momente nicht weniger mitreißend. 

In „Walk Alone“ widerlegt Marling die Behauptung, sie könne nicht lieben, indem sie erklärt: „I can’t walk alone“, bevor sie in einem gebrochenen, angespannten Falsett, das mehrmaliges Anhören rechtfertigt, beschwört: „I just need a little more time“. Als ob sie von dieser Offenheit erschüttert wäre, folgt das verspielt bissige „Strange“, das uns mit einer unverschämt affektierten Stimme über die vielen Lügen zweifelhafter Liebhaber aufklärt. Aber es ist Marling’s Sinn für Unmittelbarkeit, das „Short Movie“ so eindrucksvoll macht. 

Wie sie im Titeltrack ausruft: „It’s a short fucking movie, man! I won’t try and take it slow.“ Für Marling scheint es keine Zeit wie die Gegenwart zu geben; „Short Movie“ ist ihre Art, diese verlorene Zeit aufzuholen und weiterhin auf größere persönliche und musikalische Fortschritte hinzuarbeiten.

8.0