Laura Jane Grace – Stay Alive

Indie Rock, VÖ: Oktober 2020
LAURA JANE GRACE sagte, sie habe ihr neues Album teilweise veröffentlicht, um ihr Team und ihr Label zu unterstützen, als konkrete Anstrengung, den Lebensunterhalt anderer zu finanzieren. Dieser Geist verstärkt nur das Gefühl der Notwendigkeit, das diesen Songs innewohnt.

Diejenigen von uns, die gerade arbeiten, haben in den letzten sieben Monaten immer wieder gehört, dass es unvernünftig ist, von sich selbst zu erwarten, dass man während einer Pandemie normal arbeitet – dass es in Ordnung ist, nicht so viel zu erledigen, sich mehr ablenken zu lassen und sich mehr Zeit zu nehmen. Doch nachdem die Musikindustrie ihre Tourneen auf Eis gelegt hatte, erwarteten die Fans weitgehend, dass die Musikerinnen, nun ja, wie gewohnt weitermachen würden: Veröffentlichungen und Film-Livestreams vorantreiben und gleichzeitig Notfallpläne für ihre übliche Arbeit erstellen. Vielen unabhängigen Musikerinnen blieb nichts anderes übrig, als in Bewegung zu bleiben, da ihr Einkommen von einem neuen Projekt abhängt. 

Und die meisten der hochkarätigen Alben, die während der Quarantäne entstanden sind, haben in den Diskografien ihrer Künstlerinnen einen hohen Stellenwert, von Charli XCX’s außergewöhnlichem „How I’m Feeling Now“ bis hin zu Taylor Swift’s nachdenklicher „Folklore“. Umso erfrischender ist die Musik von Laura Jane Grace auf ihrem überraschenden neuen Album „Stay Alive“: Sie ist spontan, zielgerichtet und unvollkommen, genau das, was wir von Musik in der Zeit erwarten können. Obwohl diese Songs vor dem Lockdown geschrieben wurden, verarbeitet Grace damit den Schock unserer neuen Normalität und beschwört insbesondere die Hilflosigkeit der ersten paar Wochen dieser Zeit herauf.

„This only feels like the death of everything“, knurrt sie beim hart gespielten Eröffnungstrack „Swimming Pool Song“. In „The Calendar Song“ sehnt sie sich nach Reisen und träumt von der tropischen Wärme Portugals oder den leuchtend grünen Weiden Glasgows. Über dem gesamten Album herrscht Aufbruchsstimmung. „There’s always someone dying to leave where you’re dying to get to“, singt sie in „Shelter in Place“, einem weiteren Lied, das irgendwie älter als die Pandemie ist, trotz Texten wie „My own private paradise quarantine is very nice.“ Die Songs, aus denen „Stay Alive“ besteht, sind Dokumente einer Zeit und einer Songwriterin, die genug Erfahrung hatte, um im einfachen Akt der Arbeit Leichtigkeit zu finden. 

Aufgenommen mit nichts anderem als einer Akustikgitarre, gelegentlich einem Drumcomputer und ihrer eigenen kraftvollen Stimme, steht Grace’s unverwechselbare Songwriting-Handschrift im Vordergrund.

8.5