Laura Jane Grace – Hole in My Head

Rock, VÖ: Februar 2024
Die kurzen, prägnanten und textlich offenen Lieder auf HOLE IN MY HEAD haben etwas von Natur aus Einladendes, da LAURA JANE GRACE sowohl nach innen als auch nach außen auf ihre Identität, ihre gewählte Musik und ihre Laster blickt.

Laura Jane Grace veröffentlichte „Stay Alive“ in den ersten Tagen der COVID-19-Pandemie und ließ all ihre Wut und Angst in einem Album raus, das knapp eine halbe Stunde dauerte. „Hole in My Head“, das drei Jahre später erscheint, ist nicht ganz so eindringlich, fühlt sich aber wie ein Teil seines Vorgängers an, da es aus einer ähnlichen Situation der Verwirrung stammt: Grace ist immer noch damit beschäftigt, den Schutt einer turbulenten Zeit zu sortieren. Es gibt jedoch tiefgreifende thematische und musikalische Unterschiede zu „Stay Alive“, die widerspiegeln, dass Grace nicht mehr in der Dunkelheit der frühen Tage von COVID schwelgt; Humor und Empathie tauchen in ihrer Musik wieder auf. Grace spielt den Löwenanteil der Instrumente – sie ist für alle Gitarren und das Schlagzeug verantwortlich – und wird von Matt Patton von den Drive-By Truckers unterstützt, der durchgehend für den Bass und den Hintergrundgesang sorgt.

Es ist ein stimmungsvolles Zeug, aber was es noch fesselnder macht, ist die Tatsache, dass es von einer 43-jährigen Frau vorgetragen wird, deren Geschmack sich nicht durch niedrige Decken zügeln lässt, so dass diese Beobachtungen nicht unbedingt mit der musikalischen Untermalung einhergehen, die man erwarten würde. „I’m Not A Cop“ ist zwar voller Attitüde, verfügt aber über Beach-Boys-artige Doo-Wop-Backing-Vocals. Und während „Tacos And Toast“ der Stoff für einen Country-Troubadour ist, werden hier Whisky und ein galoppierendes Pferd durch ein Auto ersetzt, das „90 down the interstate“ hinunterfährt, angetrieben von „four shots of espresso“. Der Clou des Albums ist jedoch „Give Up the Ghost“. Allein Grace’s glockenartiges Krächzen und ihre Akustikgitarre sind eine ergreifende Reflexion ihrer Karriere und ihres Lebens und der Frage, ob sie noch mehr Benzin im Tank hat. 

„I’m standing at the center of the universe / Screaming at God, I’m not done / But I think it’s time that I give up the ghost“, brüllt sie. Am Ende des Albums wiederholt sie diese Worte viermal, und sobald sie fertig ist, bleibt die Frage in der Luft hängen. Es ist ein schlankes, nervöses Rockalbum, das sein Durcheinander und seine Widersprüche zu seinem eigenen Vorteil nutzt.

8.0