Larry Gus – Years Not Living

ElectronicExperimentalRock, Juli 2013

Die musikalischen Ursprünge von Multiinstrumentalist, Sänger und Produzent Panagiotis Melidis (geboren in Veria, Imathia, Griechenland) sind verschlungen und teilweise chaotisch. Einen Namen machte er sich in den anfänglichen Zeiten durch die Live-Auftritte. Zusammen mit seiner damaligen Band Ginger zeigte er die primitive Ästhetik zwischen einem Bass und einem Schlagzeug, in Kombination mit der damals schon feuerrot lodernden Obsession für den späten 1960er- und frühen 1970er Jahre Free-Jazz. Aber er ging weiter und kombinierte sie mit Sample-basierter Ethik und kristallklaren psychedelischen Pop-Melodien. Letztlich veschlossen sich die einzelnen Elemente zu einer dichten Masse aus kristalierenden Schichten und farbenfroher Polyrhythmik. Drei Jahren nach seinem Debütalbum ‚ Stitches ‚ meldet sich der Grieche neun mit neuer Langspielplatte zurück. ‚ With All Your Eyes Look ‚ befinden wir uns dann auch schon im Zentrum seiner kaleidoskopischen Sample-basierten Beats und durchnässten Texturen, die den Blick in eine gesättigte und unrealistisch blumige Welt der Waschmittel-Anzeigen gewährt. Tot den Friseurläden, gebt den Haaren Ihre Freiheit zurück! Ein Höhepunkt auf ‚ Years Not Living ‚ ist ohne Zweifel ‚ The Sund Plague ‚ mit seinen psychedelisch, brüllenden Gesängen. Als Kontrast schüttet uns Larry Gus kurz darauf in ‚ The Eternal and The Ephemeral ‚ einen feinen und klebrigen Zuckerguss über den Kopf, während ‚ The Percival Seascapes ‚ ein traditionelles Stück aus dem amerikanischen Süden sein könnte. Dazu die herrlichen Klänge. Sie wirken dabei angenehm eindringlich, alt und unheimlich vertraut. In ‚ Merely Today ‚ stürzen sich prasselnde Rhythmen und brummende Synths in tonhöhenverschobene Gesänge. Der Hauch von Unbehagen ist ein ständiger Begleiter auf dem zweiten Album und gemeinsam entsteht so der ganz eigene ound von Larry Gus. ‚ Years Not Living ‚ wurde von Georges Perecs Roman von 1978 „Life: A Users Manual“ und „Anima Latina“ inspiriert, ein Album von Lucio Battisti aus dem Jahr 1974. Letztlich bleibt die neue Platte eine sonnige und ideenreiche Ansammlung, ein grenzenloser Nervenkitzel von Anfang bis Ende.

7.0