Lana Del Rey – Honeymoon

Dream Pop, VÖ: September 2015
Während LANA DEL REY auf ihren ersten beiden Alben von existentiellen Sorgen niedergedrückt zu sein schien, wirkt HONEYMOON beruhigend melancholisch und das ist das deutlichste Zeichen dafür, dass es die bisher umfassendste Umsetzung von ihrem großem Plan ist.

Obwohl sie 2011 mit „Video Games“ für ein legendäres virales Aufsehen sorgte, wurden zu der Zeit, als sie „Born To Die“ veröffentlichte, Fragen gestellt, nämlich wer das „Team Lana Del Rey“ war, das die Fäden zog. Der Beweis, dass alles anscheinend ein Schwindel war, wurde für einige bestätigt, als sich herausstellte, dass sie bereits eine Platte unter ihrem richtigen Namen Lizzy Grant veröffentlicht hatte. Einige ihrer damaligen Äußerungen halfen nicht weiter – die Selbstbeschreibung von „Gangsta Nancy Sinatra“ war im Vergleich zur mühelosen Anmut von Songs wie „Summertime Sadness“ anstrengend. Als sie jedoch ihren Nachfolger „Ultraviolence“ veröffentlichte, schien sich das Blatt zu wenden.

Doch selbst dann fand sie sich mit schwachem Lob verdammt. Ein Flugblatt beschrieb sie als „Misanthropin für Chancengleichheit“, aber das verfehlte den Kernpunkt der Musik – was ihre Songs untermauert, ist das Wort mit vier Buchstaben: Liebe. Und Liebe ist überall in „Honeymoon“ zu finden. Bezeichnenderweise fühlt sich „Honeymoon“ im Gegensatz zu „Born To Die“ mit seinen unzähligen Produzenten und „Ultraviolence“, das sich an Dan Auerbach’s wunderbare Produktion anschmiegte, autonomer an und klang daher nie besser. „Music to Watch Boys To“ ist kokette Geschlechtsumkehr vom Feinsten. 

Widerhallender, geschichteter Gesang und unzählige Gitarren-/Keyboard-Effekte über einem autoritativen Drumbeat schaffen eine lockere, luftige Atmosphäre. In dem Video mischt Del Rey das alte Hollywood mit dem modernen Los Angeles: Neonreklamen, Phonographie, Skateboards, 35-mm-Filmrollen und tätowierte Basketballspieler der Westküste. Die rohe Herzschmerzblutung von „Terrence Loves You“ ist herzzerreißend. Ein Klavier steht im Mittelpunkt dieses Tracks und Del Rey singt wie ein authentische Jazzsängerin der 40er Jahre, die das Tempo vorantreibt, aber dennoch ergreifende Momente festhält. Aber der Komplexität der Musik von „Honeymoon“ sind Grenzen gesetzt. 

Viele der Songs teilen sich wiederholende Orchesterelemente, wodurch sich die 14 Tracks aufgebläht anfühlen – allerdings weniger, wenn man Honeymoon als Konzeptalbum betrachtet. Der beste Track des Albums, „High By the Beach“, ist klanglich der interessanteste Song, verwendet mehr Beats und rollende Drum-Fills und zeigt lyrisch die stärkste Attitüde: „You could be a better motherfucker but that don’t make you a man.“ Es ist der seltene Moment, in dem Del Rey wirklich lebendig wird und das Furnier ihres eigenen Schaffens durchbricht. Del Rey hat diese unheimliche Fähigkeit, gleichzeitig modern und retro zu klingen, geht aber einen sehr einzigartigen Weg. 

Hoffen wir also, dass dies kein Adieu, sondern ein au revoir ist, denn „Honeymoon“ bekräftigt erneut ihre Fähigkeit, wichtige, meisterhafte Popmusik zu machen, die der Mode keine Beachtung schenkt und dafür umso besser ist.

7.9